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Pamuk wirft «Hürriyet» Zensur vor

Der türkische Schriftsteller und Nobelpreisträger kritisierte gegenüber der Zeitung das geplante Präsidialsystem. «Hürriyet» liess das Interview danach fallen.

Äusserte sich wiederholt kritisch über den türkischen Präsidenten Recep Tayyip Erdogan: Orhan Pamuk.
Äusserte sich wiederholt kritisch über den türkischen Präsidenten Recep Tayyip Erdogan: Orhan Pamuk.

Der türkische Literaturnobelpreisträger Orhan Pamuk hat der Zeitung «Hürriyet» vorgeworfen, ein Interview mit ihm wegen seiner Kritik an dem geplanten Präsidialsystem in der Türkei zensiert zu haben.

«Ich habe gesagt, ich werde Nein stimmen und die Gründe für meine Entscheidung erklärt», sagte Pamuk der Anti-Zensur-Website Susma Platformu. Daraufhin sei das Interview nicht veröffentlicht worden. Die Berichte über die Zensur seien «leider wahr».

Das Interview mit dem renommierten Schriftsteller war für Montag geplant gewesen, wurde dann aber fallengelassen. «Am Ende wurde das Interview nicht veröffentlicht», bestätigte Pamuk. Der Romancier, der 2006 als erster Türke mit dem Nobelpreis für Literatur ausgezeichnet wurde, hatte sich in der Vergangenheit wiederholt kritisch über den türkischen Präsidenten Recep Tayyip Erdogan geäussert.

Pamuk warnte vor «Terrorregime»

Im September hatte Pamuk in «La Repubblica» angesichts der massenhaften Inhaftierung von Regierungskritikern gewarnt, die Türkei bewege sich in Richtung eines «Terrorregimes». Auch hatte er die Festnahme des prominenten Journalisten Ahmet Altan und seines Bruders Mehmet Altan, eines angesehenen Ökonomen, kritisiert und zur Freilassung aller inhaftierten Intellektuellen aufgerufen.

Erdogans Pläne zur Einführung eines Präsidialsystems spalten die Türkei. Bei dem Referendum über die Verfassungsreform am 16. April wird mit einem knappen Ausgang gerechnet. Die Gegner befürchten aber, dass die Regierung keine faire Kampagne zulässt und ihnen nicht erlaubt, ihren Standpunkt darzulegen. Die meisten Medien sind auf Regierungslinie und die Versammlungsfreiheit ist stark eingeschränkt.

«Nicht Teil der Ja- oder Nein-Kampagne»

«Hürriyet» veröffentlichte am Dienstag eine Erklärung ihres Mutterhauses Dogan, worin dieses versichert, bemüht zu sein, «nicht Teil der Ja- oder Nein-Kampagne zu sein». Die Mission der Dogan-Mediengruppe sei es, den Menschen zu ermöglichen, «eine gesunde Entscheidung» zu treffen. Deshalb würden die Dogan-Medien alle Sichtweisen mit ihren jeweiligen Begründungen veröffentlichen.

Die Mediengruppe verteidigte auch die Entlassung des Moderators Irfan Degirmenci des Dogan-Senders Kanal D am Samstag, der auf Twitter die Verfassungsänderung kritisiert hatte. Die Tweets seien «provokant und polarisierend» gewesen und Degirmenci habe damit gegen die Regeln der Gruppe verstossen, so dass seine Bestrafung zwingend gewesen sei, erklärte die Mediengruppe.

SDA

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