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Pingpong statt Politik

Die kesse und ungeschönte DDR-Erinnerung «Kinderland» des Berliner Comic-Stars Mawil hat den Preis für den besten deutschsprachigen Comic erhalten.

Alexandra Kedves

Die «Tischtenniskelle», wie sie hier genannt wird: Sie ist das Distinktionsmerkmal, das Objet du Désir, das Ding, für das man seine liebsten Schätze eintauscht wie zum Beispiel Kassetten mit Westmusik; sie ist der Traum, für den man schnorren und schmeicheln und schachern geht. Zumindest dann, wenn man ein Bub ist in der DDR, kurz vor der Wende. Für den richtigen Schläger, der fetzt und nicht klebt, der hart auf die Bälle haut, aber nicht schwer in der Hand liegt, zieht man sich sogar die verhasste Pionieruniform an, geht Klinken putzen und macht auf «Altstoffsammlung für Nicaragua».

Doch wenn besagter Bub, der mittlerweile ein Mann ist und ein grosser Comic-Artist ausserdem, rückblickend davon erzählt, wird diese ganze DDR-Tristesse mit ihren Tauschhandelstricks und Schwarzhandelsuniversen ein Witz zum Kaputtlachen. Aber auch zum Reparieren, also zum Mitgefühl-Haben: Mawil, 1976 als Markus Witzel in Ostberlin geboren, hat nach sieben Jahren Pause endlich wieder ein richtig dickes Comic-Buch vorgelegt. Es ist nicht nur fett, es ist auch fantastisch, eine kesse, autobiografisch grundierte Geschichtsstunde im Funnies-Look, aber mit einem feinen Sensorium für die Verzweiflungen eines 13-Jährigen. Der Titel könnte denn auch treffender nicht sein als eben «Kinderland».

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