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«Prostitution ist auch nur eine Form des Datings»

Menschenverachtend oder befreiend? Chester Brown präsentiert in «Ich bezahle für Sex. Aufzeichnungen eines Freiers» seine persönlichen Erfahrungen mit käuflichem Sex und plädiert für Entkriminalisierung.

«Ich bezahle für Sex. Aufzeichnungen eines Freiers» heisst der autobiografische Comic von Chester Brown.
«Ich bezahle für Sex. Aufzeichnungen eines Freiers» heisst der autobiografische Comic von Chester Brown.
Chester Brown/Walde und Graf
Darin erzählt er, wie er sich von der romantischen Liebe ab- ...
Darin erzählt er, wie er sich von der romantischen Liebe ab- ...
Chester Brown/Walde und Graf
Sein Ziel ist, dass Prostitution irgendwann als normale Form von sexuellem Verkehr gilt.
Sein Ziel ist, dass Prostitution irgendwann als normale Form von sexuellem Verkehr gilt.
Chester Brown/Walde und Graf
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Chester Brown war Mitte 30, als er merkte, dass er kein Interesse mehr hatte an der romantischen Liebe. Eine Beziehung mit gegenseitigen Besitzansprüchen und allem, was damit verbunden ist, kam nicht mehr infrage. Das Bedürfnis nach sexueller Aktivität wollte er trotzdem ausleben. Frauen in Bars zu treffen war keine Alternative – zu schüchtern und verklemmt war er und auch zu wenig interessiert am Flirten und Erobern. Stattdessen fing er an, Prostituierte aufzusuchen und für Sex zu bezahlen. Auch hier war er anfangs zurückhaltend, öffnete sich jedoch immer mehr und wurde zum begeisterten Freier.

Entkriminalisierung und Enttabuisierung

Jetzt, mit Anfang 50, verarbeitete er seine Erfahrungen im Comic «Ich bezahle für Sex. Aufzeichnungen eines Freiers». Es geht darin jedoch nicht nur um seine persönlichen Erlebnisse. Das Buch ist vielmehr ein Plädoyer für die totale Entkriminalisierung der Prostitution. So wären laut Brown auch die negativen Begleiterscheinungen wie Menschenhandel und Gewalt gegen Frauen viel besser in den Griff zu kriegen. Hier spricht auch der überzeugte libertäre Aktivist in ihm, der für die kanadische Libertarian Party politisiert, die den Staat möglichst aus allem heraushaben will.

Sein Anliegen ist jedoch nicht nur ein juristisches oder politisches, sondern auch ein moralisches. Er will Prostitution enttabuisieren. «Ich möchte dabei mithelfen, dass es irgendwann als völlig normal gelten wird, für Sex zu bezahlen», wie er im Interview mit dem «Spiegel» sagt. Das geht einher mit einer verbittert wirkenden Kritik an der romantischen Liebe und der Zweierbeziehung, welche laut Brown mehr Elend als Glück bewirkt hat.

Der Band fügt sich gut in eine Reihe von zwei anderen Comics von Brown: In «Playboy-Stories» stellte er ausführlich verschiedene Masturbationstechniken seiner Jugend dar, und in «I Never Liked You» geht es um seine Probleme damit, offen auf das andere Geschlecht zuzugehen – was ihn letztlich in die Arme von Prostituierten getrieben hat und zur Erkenntnis kommen liess: «Prostitution ist auch nur eine Form des Datings.»

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