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Schweizer Krimis made in Germany

Der Deutsche Verleger Günther Butkus hat von Bielefeld aus eine Serie mit Krimis von Schweizer Autoren gestartet. Dem Chef des Pendragon-Verlags gefällt insbesondere der Humor, welcher Krimis aus der Schweiz auszeichne.

Das Berner Schriftsteller-Duo Daniel Himmelberger und Saro Marretta («Die letzte Reise nach Palermo»), Roger Strub aus Utzenstorf («Kalter Abschied», «Hand angelegt») und der Zürcher Roger Graf («Der Mann am Gartenzaun») konnten eben ihre jüngsten Kriminalromane über den Pendragon-Verlag veröffentlichen. Einen Verlag also, welcher nicht zur einheimischen Bücherszene gehört und welcher in der Schweiz über Jahre hinweg eher am Rand wahrgenommen wurde.

In Deutschland hingegen ist das 1981 gegründete Unternehmen eine feste Grösse unter den kleineren Verlagen. Insbesondere im Bereich der Krimis legt sich Pendragon mächtig ins Zeug. So brachten die Bielefelder beispielsweise ab 2002 die kultigen «Shaft»-Storys als ungekürzte Neuübersetzungen heraus. Oder man arbeitete mit D.B. Blettenberg zusammen, der 2004 für den Roman «Berlin Fidschitown» den Deutschen Krimi-Preis erhielt. Und jetzt also sollen ebenfalls Schweizer Autorinnen und Autoren – nicht zuletzt auch jüngere und unbekanntere – vom Engagement des Verlags profitieren und in sein Angebot eingebunden werden. Warum aber ausgerechnet Krimis mit viel Lokalkolorit aus der Schweiz?

«Autoren haben Freude»

«Sie kommen sehr unterschiedlich erzählt daher. Und man spürt immer wieder: Die Autoren haben Freude daran, etwas zuzuspitzen. Zudem gefällt mir der Humor, der nie zu kurz kommt», erklärt Verleger Günther Butkus.

Im Unterschied zu vielen Autoren aus Deutschland würden jene aus der Schweiz eher aus dem Bauch heraus schreiben. «In Deutschland denken Krimiautoren oft schon ans Drehbuch für eine mögliche Verfilmung. Deswegen sind die Schnitte bei den Storys in den letzten Jahren immer schneller geworden», hat Butkus festgestellt.

Trotzdem jubelt der Verleger die Krimischreibkunst aus der Schweiz nicht kritiklos in den Himmel. Manches käme zu detailverliebt daher und würde dadurch den Fluss einer Geschichte unnötig verlangsamen. Da müsse dann die Arbeit eines guten Lektorats zum Zuge kommen.

«Persönliche Kontakte»

Die Idee mit der «Schweizer Serie» entstand vor zwei Jahren. Das Duo Himmelberger/Marretta («Der Tod kennt keine Grenzen») und Roger Graf («Die Frau am Fenster») gehörten zu den ersten Schweizer Autoren des Verlags aus Bielefeld. Sie konnten auf Anhieb ansehnliche Erfolge verbuchen. Unterdessen werden zehn Schriftstellerinnen und Schriftsteller aus Helvetien von Pendragon verlegt.

Die Schreibenden habe er über «persönliche Kontakte» kennen gelernt, sagt Günther Butkus. Und hinter dem Projekt stecke «viel Idealismus und Enthusiasmus» seitens des Verlags. Trotzdem müsse man aber auch profitorientiert denken. Obwohl es dabei nicht um Zehntausenderauflagen geht. «2000 verkaufte Exemplare sind eine untere Messlatte. Mehr als 3000 sind gut», betont Butkus. Die Bücher würden im Übrigen nicht ausschliesslich in der Schweiz verkauft. Auch in Deutschland fänden sich Käufer für die Storys made in Switzerland.

«Keine Garantien»

Und wenn ein Ladenhüter produziert wird? Dann müsse man halt auch bei Pendragon über die Bücher gehen und analysieren. «Wenn danach keine Entwicklung festgestellt werden kann, müssen wir uns gemeinsam mit dem Autor oder der Autorin überlegen, ob man die Zusammenarbeit nicht auslaufen lassen sollte», betont der Verleger. Denn von der Zusammenarbeit müssten ja sowohl Autor wie auch Verlag profitieren. Und: «Wir wollen mit dieser Edition für die Zukunft ein gutes Fundament aufbauen. Darum gibt es auch bei uns keine Garantien.»

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