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Schweizerin gewinnt den Deutschen Buchpreis

Für den Roman «Tauben fliegen auf» erhält Melinda Nadj Abonji als erste Schweizerin den Deutschen Buchpreis. Ihr Entdecker, Egon Ammann, erklärt gegenüber Redaktion Tamedia, weshalb sie den Preis verdient hat.

Die glückliche Siegerin: Melinda Nadj Abonji in Frankfurt am Main vor der Verleihung des Deutschen Buchpreises 2010.
Die glückliche Siegerin: Melinda Nadj Abonji in Frankfurt am Main vor der Verleihung des Deutschen Buchpreises 2010.
Keystone

Mit Melinda Nadj Abonji erhält erstmals eine Schweizerin den Deutschen Buchpreis. Sie erhielt die mit 25'000 Euro dotierte Auszeichnung am Montag an der Frankfurter Buchmesse für ihren Roman «Tauben fliegen auf».

In dem Roman geht es um die Geschichte einer ungarischen Familie aus der serbischen Vojvodina, die in die Schweiz übersiedelt und sich dort eine Existenz in der Gastronomie aufbaut. In der Begründung der Jury heisst es: «Was als scheinbar unbeschwerte Balkan-Komödie beginnt, wenn die Familie mit einem klapprigen braunen Chevrolet die sommerliche Reise in die alte Heimat antritt - darauf fallen bald die Schatten der Geschichte und der sich anbahnenden jugoslawischen Kriege. So gibt das Buch ‹Tauben fliegen auf› das vertiefte Bild eines gegenwärtigen Europa im Aufbruch, das mit seiner Vergangenheit noch lang nicht abgeschlossen hat.»

Melinda Nadj Abonji ist 1968 in der Vojvodina, dem teilweise ungarisch sprechenden Teil Serbiens, geboren. In den 1970er-Jahren ist sie in die Schweiz gezogen. Im Roman erzählt sie von einer Familie, die wohl ähnliches erlebt wie sie.

«Ihre Sprache und ihr Stil sind ausserordentlich»

Egon Ammann, der Verleger des kürzlich geschlossenen Ammann-Verlags, zeigt sich über die Vergabe hoch erfreut. Auf Anfrage von Redaktion Tamedia erzählt er, wie er die Autorin entdeckt hatte: «Sie hatte uns ein Manuskript zugesandt, ein schwieriges aber tolles Manuskript.» 2004 erschien dann im Ammann-Verlag ihr Erstling «Im Schaufenster im Frühling». «Sie wollte etwas zu viel, das Buch war sprachlich noch überladen, doch bereits da konnte man ihr grosses Potenzial erkennen», so Egon Ammann. «Leider wussten wir dann schon, dass unser Verlag geschlossen wird, so konnte sie ihr zweites, nun preisgekröntes Werk nicht mehr bei uns veröffentlichen.»

Doch was macht das Werk Nadj Abonjis aus? «Sie ist eine Autorin, die etwas will und etwas wagt. Ihre Sprache und ihr Stil sind ausserordentlich», so Ammann. Nun hofft er, dass der Buchpreis seine Wirkung entfalten und sich im Verkauf niederschlagen wird. Denn, so Ammann, bisher habe Nadj Anonji vom Buchverkauf nicht leben können. Die Publizität, die die Gewinner des Preises jeweils im gesamten deutschsprachigen Raum erhalten, ist enorm; dass sich Ammanns Hoffnung erfüllt, ist durchaus realistisch.

Gegen 148 Titel durchgesetzt

Neben Nadj Abonji standen Doron Rabinovici («Andernorts»), Thomas Lehr («September. Fata Morgana»), Jan Faktor («Georgs Sorgen um die Vergangenheit oder im Reich des heiligen Hodensack-Bimbams von Prag»), Bachmann-Preisträger Peter Wawerzinek («Rabenliebe») und Judith Zander («Dinge, die wir heute sagten») auf der Shortlist.

Die sieben Jurymitglieder hatten insgesamt 148 Titel gesichtet, die zwischen Oktober 2009 und dem 8. September 2010 erschienen waren. Der Preisträger erhält ein Preisgeld von 25'000 Euro; die fünf Finalisten erhalten jeweils 2500 Euro.

Mit dem Deutschen Buchpreis zeichnet der Börsenverein des Deutschen Buchhandels den besten deutschsprachigen Roman des Jahres aus. Dieses Jahr wurde er zum sechsten mal vergeben. 2005 gewann der Vorarlberger Arno Geiger mit «Es geht uns gut» den ersten Deutschen Buchpreis, im Vorjahr siegte die Deutsche Kathrin Schmidt mit «Du stirbst nicht».

SDA/rb/Newsnetz

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