So sieht James Bond wirklich aus

Mit «Vargr» erscheint zum ersten Mal seit fast 20 Jahren wieder ein James-Bond-Comic.

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Vier abgetrennte Finger fliegen durch die Luft, doch die Schneeflocken fallen unbeirrt und dick vom nächtlichen Himmel. Es ist ruhig in Helsinki, und der Mann, der nun im Schnee liegt und sich die verstümmelte Hand hält, fragt: «Wer sind Sie?» Über ihm steht mit schwarzen Haaren, Anzug und gezückter Pistole: James Bond.

«Vargr» heisst das Abenteuer, in dem 007 zum ersten Mal seit fast 20 Jahren wieder als Comicheld auftritt. 1996 erschien der letzte Comic mit dem britischen Agenten – eine Adaption des Brosnan-Films «Goldeneye». Für die neue, sechsteilige Serie erhielt der Herausgeber Dynamite Entertainment die offizielle Lizenz von Ian Fleming Publications, dem Verwalter von Flemings literarischem Nachlass und der Marke James Bond.

Die Geschichte stammt vom Autor Warren Ellis («Red»), die Zeichnungen von Jason Masters («Batman», «Guardians of the Galaxy»). In Helsinki bringt Bond den Mörder von 008 zur Strecke. Zurück in London, wird er auf den Fall des verblichenen Doppelnullkollegen angesetzt: Bond soll nach Berlin und einem mysteriösen Drogenring auf die Schliche kommen. Dieser ist dabei, Grossbritannien mit einer neuen gefährlichen Synthetikdroge zu überfluten.

Kaltblütig und überheblich

Fans von Flemings Romanfigur und Daniel Craigs Interpretation derselbigen wird «Vargr» ansprechen. «Ich wollte den ursprünglichen, brutalen und kaputten Bond der Bücher aufleben lassen», so Ellis kürzlich in einem Interview. Das ist ihm gelungen: Der Bond, der den Mörder von 008 durch das verschneite Helsinki jagt und tötet, ist kaltblütig und gnadenlos. Und jener Bond, der sich in London M und Moneypenny stellt, ist kurz angebunden und überheblich.

Ellis und Masters schaffen es zudem, den Fleming-typischen Spannungsbogen aufzubauen. Mit wenigen Panels erzählen sie die Geschichte, lassen sie zunächst auf kleiner Flamme köcheln. Bond isst Lunch mit Bill Tanner und lässt sich von Q neue Munition zeigen. Doch im Hintergrund agieren längst dunkle Mächte gegen den Agenten. Am Ende des ersten Bandes weiss der Leser: Da geht es wohl um mehr als nur einen kleinen Drogenring. Das wird gross. Das wird gefährlich.

Literatur im Schatten der Filme

Mit «Vargr» klinken sich Ellis und Masters in eine lange Tradition von Bond-Literatur ein. Diese fristet ihr Dasein weitgehend im Schatten der Bond-Filme. Und das, obwohl der 007-Kanon auf beträchtliche Grösse angewachsen ist. Zwei Dutzend Romane entstanden seit Ian Flemings Tod 1964. Hinzu kommen Kurzgeschichten, Romanfassungen von Filmscripts und Spin-offs wie die Young-Bond-Reihe.

Auch in gezeichneter Form tauchte 007 immer wieder auf. Die ersten Bond-Comics publizierte die Zeitung «Daily Express» ab 1958. Ian Fleming war damals zunächst gegen eine Tuscheversion seines Agenten gewesen, willigte am Schluss aber ein. Jedoch liess er der Zeitung eine Zeichnung von Bonds Gesicht zukommen, die ein Künstler nach seinem Beschrieb angefertigt hatte. Der Zeichner des «Daily Express», John McLusky, verwarf Flemings Bond-Ideal. Flemings Bond war ihm zu altmodisch.

Jason Masters hat sich die damalige Zeichnung nun als Vorbild für «Vargr» genommen. Kantig ist das Gesicht des Agenten, eine kleine Narbe ziert seine rechte Wange. Flemings James Bond halt.

Erstellt: 10.12.2015, 14:53 Uhr

Die sechsteilige Reihe «Vargr» kann bei Dynamite bestellt werden.

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