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«Sonst wird Mama dumm»

Wie Han Yan dazu kam, zehn Schweizer Literaten in ihrer Heimat bekannt zu machen. Und warum sie den Autoren bis heute treu blieb.

Han Yans Zuhause ist Bern. Doch manchmal fühlt sie sich fremd hier, «wo die Zeitungsbündel schöner sind als anderswo.»
Han Yans Zuhause ist Bern. Doch manchmal fühlt sie sich fremd hier, «wo die Zeitungsbündel schöner sind als anderswo.»
Adrian Moser

Als das Radio in China am Valentinstag nach romantischen Momenten fragte, sprachen die meisten Anrufer von Rosen und Kerzenschein. Die kleine Han fand das langweilig. Romantisch, so war sie überzeugt, musste mehr sein, ein stärkeres Gefühl. Sie fragte ihre Mutter danach.

Die lächelte, setzte sich und erzählte ihrer Tochter von der chinesischen Kulturrevolution der Sechzigerjahre. Wie sie, die Literaturwissenschaftlerin, und ihr Mann, der Architekt, in dieser Zeit der Angst ein junges Paar gewesen waren. Wie sie Türen und Fensterläden geschlossen und heimlich ein von der Regierung verbotenes Buch abgeschrieben hatten, Wort für Wort. «Dieses Gefühl, etwas Verbotenes zu tun und damit ein Kulturgut zu retten, war sehr romantisch», sagte die Mutter. Vielleicht ist es dieses Bild ihrer Eltern, das Han Yan für ihr Leben prägte.

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