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Stephen King schaudert auch im Comic

Sein Metier ist es, Schauriges zu imaginieren. Nun hat Stephen King erstmals ein Comic-Projekt verwirklicht: die Umsetzung seines Opus magnum, seiner siebenbändigen Saga «The Dark Tower» (1982-2004).

Kings kreative Quelle für die fette Fantasyfabel rund um Roland und seine Recken habe sich erschöpft, sagt er. Die Zeit sei reif für eine Visualisierung gewesen.

Gezeichnet haben die preisgekrönten Marvel-Comic-Stars Jae Lee und Richard Isanove, getextet der profilierte Comicautor Peter David, beraten der persönliche Recherche-Assistent von Stephen King, der «Dark Tower»-Experte Robin Furth. Und geleitet hat das Ganze der Herr des Horrors selbst. 2007 ist eine erste «Dark Tower»-Comicserie in sieben wilden Heften erschienen, die zweite, fünfteilige, wurde gerade abgeschlossen, und jetzt liegt ein Sammelband mit den ersten sieben Kapiteln auf Deutsch vor. «Praktisch Nirwana», schwärmt King von der Comicversion: Sie sei so perfekt, wie es überhaupt geht in einer imperfekten Welt, und so schön, dass es wehtut.

Blutige Sache

Weh tuts auf jeden Fall: Die Aventiure des Lehrlings Roland ist eine blutige Sache. Fussend auf dem vierten «Dunkler Turm»-Roman, rollt der Band die Jugendzeit des Helden auf: wie Roland beim harten Cort kämpfen lernt und ihn schliesslich mit der Hilfe seines alten Falkens besiegt (Bild); wie er in ein Reich gesandt wird, in dem Panzer aus dem 21. Jahrhundert vor sich hinrosten und Monster aus den uralten Untiefen des kollektiven Unbewusstseins ihr Unwesen treiben; wie er eine schöne Jungfrau gewinnt und verliert; wie er viel Böses fürs Gute tun muss.

Ambivalent ist auch die Sprache, die sich, besonders in den Dialogen, streng an die Romanvorlage hält: eine Mischung aus postmodern komödiantischer Lässigkeit und mittelalterlich weihevoller Ritter-rhetorik. Die Übersetzung, die vor Amerikanismen strotzt, gibt diesen Stilwechseln bisweilen einen unfreiwillig komischen Ton. Immerhin aber ist eins der wichtigen magischen Objekte der mörderischen Jagd eine rosa glühende Pampelmuse: Man darf dem 1947 geborenen, klugen «Turm»- Schöpfer und Spiderman-Fan keineswegs das Faible für Ironie absprechen.

Filmisch geschnitten

Den Zeichnungen schon. Die mal grell violett, mal giftgrün, schwefelgelb oder feuerrot leuchtenden Panels mit den schwarzen Schatten von Waffen, Reitern und maroden Industrieanlagen meinen es todernst. Sie sind filmisch geschnitten: Rasche, horizontale Cuts rasen durch Kampfsequenzen, dann wieder sieht man auf grossen Splash-Page-Tableaus Gesichter voller Hass oder Gram. Das ist Grausen aus einem Guss: gut gemachte Monotonie des Schreckens. Ein Nirwana - für Aficionados.

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