Ungarische Philosophin Agnes Heller gestorben

Die Orban-Kritikerin wurde 90 Jahre alt.

Im Mai traf Agnes Heller mit dem französischen Präsidenten Emmanuel Macron zusammen (Aufnahme aus Paris am 21. Mai 2019).

Im Mai traf Agnes Heller mit dem französischen Präsidenten Emmanuel Macron zusammen (Aufnahme aus Paris am 21. Mai 2019). Bild: Keystone

Feedback

Tragen Sie mit Hinweisen zu diesem Artikel bei oder melden Sie uns Fehler.

Agnes Heller ist am Freitagabend im Alter von 90 Jahren gestorben, wie die Ungarische Akademie der Wissenschaften mitteilte. Gemäss Medienberichten kam sie beim Schwimmen zu Tode. Agnes Heller war eine Schülerin des ungarischen marxistischen Philosophen Georg Lukacs und gehörte zu den wichtigsten Intellektuellen Ungarns. Immer wieder richtete sie sich mit scharfer Kritik gegen den rechtspopulistischen Regierungschef Viktor Orban und sorgte sich wegen zunehmendem Fremdenhass und Nationalismus um die Abschaffung demokratischer Traditionen im Land.

1944 wurde Heller zusammen mit ihrer Mutter aus dem Ghetto in Budapest getrieben. Sie überlebte nur, weil das Erschiessungskommando der ungarischen Pfeilkreuzler entschied, die Aktion abzubrechen. Agnes Heller trat 1947 der kommunistischen Partei bei, stellte sich aber bald gegen die Mächtigen: Nachdem der sowjetische Staat den ungarischen Volksaufstand von 1956 niedergeschlagen hatte, griff Heller das sozialistische System an und wurde zur Dissidentin.

Sie emigrierte 1977 nach Australien und wurde 1986 Nachfolgerin von Hannah Arendt auf deren Lehrstuhl für Philosophie an der New School for Social Research in New York. Nach der demokratischen Wende 1989 kehrte sie nach Ungarn zurück. (blu) ()

Erstellt: 21.07.2019, 11:37 Uhr

Artikel zum Thema

Triumph der Orban-Partei

In Ungarn holt die rechtspopulistische Fidesz bei der Europawahl mehr als 50 Prozent der Stimmen – auch dank der hohen Wahlbeteiligung. Mehr...

«America First» trifft «Ungarn zuerst»

Viktor Orban hat am Montag Donald Trump besucht. Der Gastgeber würde gern wie der Gast aus Budapest regieren. Mehr...

Die Redaktion auf Twitter

Stets informiert und aktuell. Folgen Sie uns auf dem Kurznachrichtendienst.

Abo

Abo Digital - 26 CHF im Monat

Den Tages-Anzeiger unbeschränkt digital lesen, inkl. ePaper. Flexibel und jederzeit kündbar.
Jetzt abonnieren!

Kommentare

Weiterbildung

Banken umwerben Frauen

Weltweit steigt das Privatvermögen von Frauen. Banken zeigen, wie dieses gewinnbringend anzulegen ist.

Die Welt in Bildern

Kampf gegen das Aussichtslose: In Kalifornien versuchen die Feuerwehrleute immer noch das Ausmass der Buschfeuer einzugrenzen. (11. Oktober 2019)
(Bild: David Swanson) Mehr...