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Warum das Sachbuch an Bedeutung gewinnt

Der Umsatz mit Sachbüchern steigt – gegen den Trend. Ein neuer Preis kommt da gerade recht.

Die Belletristik leidet unter schwindenden Umsätzen, doch Sachtitel legen zu. Foto: Sabina Bobst
Die Belletristik leidet unter schwindenden Umsätzen, doch Sachtitel legen zu. Foto: Sabina Bobst

Steven Pinker hat im letzten Jahr eines der besten Sachbücher mit dem programmatischen Titel «Aufklärung jetzt» (Original: «Enlightenment Now») vorgelegt. Der Professor für Psychologie an der Harvard University hat darin unterstrichen, wie wichtig in Zeiten von Fake News Wissenschaft und Vernunft für den Fortschritt und die Humanität sind. Es war ein sehr engagiertes, auf empirische Daten und Grafiken gestütztes Plädoyer gegen den grassierenden Pessimismus und für stärkeren Kampfeswillen gegenüber politischen und wissenschaftlichen Okkultisten, die planmässig für Verwirrung in sonst klaren Köpfen sorgen.

Es ist nicht verwunderlich, dass das Publikum in politisch turbulenten Zeiten vermehrt nach gründlich recherchierten, die Zusammenhänge und Hintergründe ausleuchtenden Sachbüchern greift. Im Gegensatz zum allgemeinen Trend hat dieses Genre 2018 5,5 Prozent an Umsatz zugelegt. Um dieses Interesse zu würdigen, richtet der Börsenverein des Deutschen Buchhandels nun – analog zum Deutschen Buchpreis für Romane – einen Preis für Sachbücher aus. Verlage aus Deutschland, Österreich und der Schweiz können Titel einreichen. Von den acht von einer jährlich wechselnden Jury nominierten Büchern erhält der Gewinner 25'000 Euro, alle anderen je 2500 Euro.

Recherche im Zentrum

In den engeren Kreis der preiswürdigen Bücher werden wohl weniger Biografien oder historische Abhandlungen gehören als gesellschaftsrelevante Titel, die zum Verständnis der Gegenwart und des Zeitgeistes beitragen. Dabei soll die «Qualität der Recherche» zentral sein. Hauptförderer des Preises, der am 16. Juni 2020 im Humboldt-Forum in Berlin zum ersten Mal verliehen wird, ist die Deutsche Bank Stiftung. Damit wird der Stellenwert, den das Sachbuch schon früher hatte, endlich angemessen gewürdigt.

Die Literaturkritikerin Sigrid Löffler meinte einmal, dass sie immer wieder gerne Sachbücher bespreche, weil dort mehr geschehe als in der Literatur. Zudem lerne sie dabei stets etwas Neues hinzu. Ähnlich sieht es wohl das Publikum: Während die Belletristik unter schwindenden Umsätzen leidet, legen Sachtitel stark zu. Bei ihnen darf auch dann mit einem Erkenntnisgewinn gerechnet werden, wenn sie nicht so elegant oder stilistisch brillant verfasst sind wie belletristische Werke. Wenn die Lektüre gesellschaftspolitische Zusammenhänge erschliesst, ist die ästhetische Dimension nicht ganz so entscheidend. Relevanz geht vor.

Der neue Preis könnte auch Verlage anspornen, vermehrt ins Sachbuch zu investieren. Denn neben den erzählenden Formaten gewinnen die erklärenden zunehmend an Bedeutung. Die Auszeichnung, die den bereits bestehenden Leipziger Sachbuchpreis ergänzt, kommt jedenfalls nicht zu früh.

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