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Wenn der Dieter mit dem Roth

Für die experimentelle Erzählung «Roth der Grosse» wird Nils Röller, Professor an der ZHdK, heute mit dem Schillerpreis der Zürcher Kantonalbank ausgezeichnet.

Es beginnt normal: «Roth rechnet. Er verlässt den Bahnhof, nimmt jedoch kein Taxi.» So kann eine Erzählung durchaus anfangen, nüchtern. Bald schon versetzt einen ihr Urheber, Nils Röller, in den Kopf des Künstlers Dieter Roth: Man dichtet mit ihm; er stapft Gedichte in den Sand einer Baustelle; die Wörter purzeln. Die Welt des Dieter Roth (1930–1998) öffnet sich. Es ist eine chaotische Welt, aber Roth erweist sich – und da ist der Autor dem komplexen Künstler sehr nahe – bald als systematischer Chaot oder als anarchischer Ordnungssystematiker, als dekonstruktiver Konstruktivist, als scheisskonkreter Materialist.

Roth vertreibt sich die Zeit bis zu einem geplanten Treffen, bei dem es um Geld gehen soll, im Zürcher Niederdorf, flucht auf «den Wiener», denkt über ­Lenin nach, der ja eine Zeit lang im Niederdorf lebte. Für Roth ist Lenin jener, dem der Zweck alles, die Mittel unbedeutend und vernachlässigbar waren. Umgekehrt, so denkt Roth, sind ihm selbst die Mittel das Wichtigste, der Zweck aber wohl zwecklos.

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