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Werden Bücher zu Computerspielen?

Das E-Book hat sich auf dem deutschen Markt noch längst nicht durchgesetzt, doch schon gibt es die Weiterentwicklung: Das Enhanced E-Book, das die Zukunft bestimmen soll.

dj
Die Bücherbranche will hoch hinaus: An der Frankfurter Buchmesse wird eine neue Art von Büchern vorgestellt, die Computergames ähneln. (Foto vom 11. Oktober 2011)
Die Bücherbranche will hoch hinaus: An der Frankfurter Buchmesse wird eine neue Art von Büchern vorgestellt, die Computergames ähneln. (Foto vom 11. Oktober 2011)
Keystone

Das Enhanced E-Book besteht nicht mehr nur aus Text, sondern wird multimedial ergänzt durch Videos, Audios, Karten, Links oder interaktive Elemente. So kann der Autor zum Leser sprechen oder Letzterer mit Aspekten der Story spielen.

«Das Enhanced E-Book wird die Zukunft bestimmen – in der Belletristik wie bei Sachbüchern», sagt der Cheflektor bei Bastei Entertainment, Jan Wielpütz. Der Bastei Lübbe Verlag, der seit September ein eigenes Lektorat für digitale Produktionen hat, brachte bereits 2010 Ken Folletts «Sturz der Titanen» als Enhanced E-Book auf den Markt. Bei der diesjährigen Buchmesse in Frankfurt am Main wird nun nachgelegt: Am Donnerstag, 13.Oktober, wird dort der laut Bastei Lübbe «weltweit erste digitale Serienroman» vorgestellt. «Apocalypsis» ist eine App, also ein eigens für das Werk geschriebenes Programm, und damit technisch quasi schon wieder einen Schritt weiter.

Verlagen bricht junge Zielgruppe weg

Ein grosses Thema der Frankfurter Buchmesse ist die Annäherung von Büchern und Games. Technologie und Inhalte wachsen nach Ansicht von Experten immer stärker zusammen, Geschichten entwickeln sich zu multimedialen Entertainment-Welten. Kultur- und Medienprojekte werden immer mehr von Beginn an crossmedial gedacht. Angefangen hatte die Zusammenarbeit der Branchen vor Jahren mit dem Weg vom Buch zum Film und weiter zum Game. Inzwischen werden umgekehrt auch Videospiele als Grundlage für Bücher genutzt.

Die auch Gamification genannten Entwicklungen haben einen konkreten Grund: «Jedem Verlag bricht die junge Zielgruppe weg», sagt Wielpütz. Die jungen Leute, die sich immer mehr für Filme, Videos und Games interessierten – natürlich zum Downloaden – sollen mit neuen Inhalten und Formen zurückgewonnen werden. Möglicherweise seien künftig kürzere oder serielle Inhalte gefragt, sagt der Lektor. Zwar gebe es Umfragen und Studien, doch was der Leser der Zukunft tatsächlich erleben will, sei derzeit noch «ein Experiment».

Veränderungen erfordern auch «neuen Typ Autor»

Mit der Weiterentwicklung von E-Books und Enhanced E-Books verändert sich eine komplette Branche, die Verlagshäuser müssen sich auf ganz neue Arbeitsweisen und Kooperationen mit anderen Branchen einstellen. «Wir brauchen einen neuen Typ Autor», sagt Wielpütz. Der Autor der Zukunft muss ihm zufolge Teamplayer statt Eigenbrötler im stillen Kämmerlein sein. Er muss multimedial denken und etwa mit Game-Designern und Programmierern zusammenarbeiten.

Solche Autoren gebe es bereits, sagt der Cheflektor. Junge Autoren sind sogenannte Digital Natives, sie wachsen mit Lesegeräten wie Tablet-PCs und Smartphones auf. Auch für die Lektoren verändert sich die Arbeit. Stoffe würden nicht mehr von aussen eingekauft, sondern Geschichten und Charaktere intern selbst erarbeitet, sagt Wielpütz. Steht das Konzept, werden passende Autoren dafür gesucht.

Die digitalen Experimente sind für Verlage aber zunächst ein Risiko. Der Produktionsaufwand für Enhanced E-Books sei hoch und nicht mit dem klassischen Buch zu vergleichen, sagt Wielpütz. «Es ist ein deutlich höheres Budget nötig.» Noch ist unklar, ob und ab wann diese Kosten wieder eingespielt werden. Doch welche Krise drohen kann, wenn man den Einstieg in die neue digitale Welt verpasst, hat die Musikindustrie eindrucksvoll vorgeführt.

(dapd)

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