Werkschau mit klaffenden Lücken

Am Donnerstag beginnen die 41. Literaturtage in Solothurn. 70 Autoren und Autorinnen sind eingeladen, einige wichtige wurden übergangen.

Fehlt in Solothurn: Sibylle Berg. Foto: Sabina Bobst.

Fehlt in Solothurn: Sibylle Berg. Foto: Sabina Bobst. Bild: Keystone

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Am Auffahrtswochenende steht im Kalender der Literaturfreunde traditionell Solothurn. Zum 41. Mal finden von 30. Mai bis 2. Juni dort die Literaturtage statt. 150 Veranstaltungen sind angekündigt an diesen vier Tagen, eingeladen sind 70 Autoren und Übersetzer – alle politisch korrekt mit Gendersternchen. Als Höhepunkt nennen die Veranstalter die einzige Lesung von Thomas Hürlimann, der krankheitshalber lange der Öffentlichkeit fernbleiben musste.

Neben Lesungen, Dialogen, Werkstattgesprächen, Ateliers und Veranstaltungen für Kinder gibt es zwei Podien, eins über «Dystopisches Schreiben» und eins über «Machtstrukturen im Literaturbetrieb». Am Samstagabend findet eine Veranstaltung zu Ehren von Zsuzsanna Gahse (Grand Prix Literatur des Bundesamts für Kultur), des Übersetzerhauses Looren und des Centre de Traduction Littéraire Lausanne (Spezialpreis Vermittlung) statt. Den Solothurner Literaturpreis erhält am Sonntagmorgen Karen Duve.

Ohne Berg, ohne Dicker

Solothurn versteht sich als «Werkschau des aktuellen Literaturschaffens in der Schweiz» (so das Leitbild). Dazu kommen Gäste aus dem Ausland, diesmal aus Deutschland Ferdinand von Schirach, Judith Schalansky und Inger-Marie Mahlke, die in Deutschland lebende US-Autorin Nell Zink, ihr Landsmann Joey Goebel und aus Frankreich Maylis de Kerangal. Den Löwenanteil stellen aber natürlich die Schweizer, aus allen Landesteilen. So werden Fabio Pusterla und Etienne Barilier lesen sowie auf Deutsch unter anderem Milena Moser, Giulia Molinari, Anna Stern, Ruth Schweikert, Lukas Hartmann, Martin R. Dean und Ernst Halter, dazu etliche Debütanten.

Die Entscheidung, wer in Solothurn auftritt, trifft eine zehnköpfige Programmkommission. Siebzig Namen standen schliesslich auf ihrer Liste. Nicht eingeladen sind drei Autorinnen, deren Frühjahrsbücher in diesem Frühjahr auf einige, teils auf enorme Beachtung gestossen sind: Simone Meier mit «Kuss», Corinna T. Sievers mit «Flut», einem interessanten Versuch pornografischen Schreibens aus feministischer Perspektive, und nicht zuletzt «GRM» von Sibylle Berg, eine über 600 Seiten starke furiose Abrechnung mit unserer Gegenwart, seit einigen Wochen auf Platz 6 der «Spiegel»-Bestsellerliste. Aus der Romandie fehlt der nicht weniger erfolgreiche Joel Dicker.

Ob man diese Bücher nun mag oder nicht: Was die Programmkommission dieses Jahr zusammengestellt hat, ist voller schwer erklärbarer Leerstellen. Infos und Programm unter www.literatur.ch

Erstellt: 29.05.2019, 08:36 Uhr

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