Zum Hauptinhalt springen

Wie Lebenslügen Sinn machen

Der Schriftsteller Bernhard Schlink legt mit «Sommerlügen» sieben neue Erzählungen vor und zeigt, wie Menschen sich ihr Leben zurecht lügen.

Bernhard Schlink empfängt in einem kargen Seminarraum am Juristischen Institut der Humboldt-Universität in Berlin-Mitte. Er hat kürzlich seinen 66. Geburtstag gefeiert, ist seit ein paar Wochen emeritiert. Künftig wird er nur noch vereinzelt Vorlesungen halten – über Recht und Literatur an der Universität Sydney, über Gerechtigkeit in Cambridge und New York. Er freut sich darauf, mehr Zeit zum Schreiben zu haben, es bedeutet für ihn nicht Blut, Schweiss und Tränen wie für andere, sondern in erster Linie Lust. Er liebt es, «mit Geschichten zu spielen».

Erzählen hat er vom Grossvater gelernt, einem Textilingenieur aus dem Glarnerland, der es liebte, auf den Spaziergängen mit dem Enkel aus der Geschichte zu erzählen und mit dem Spazierstock Schlachtpläne auf den Weg zu zeichnen. Vom Grossvater gibt es auch eine Familiengeschichte, die weit mehr ist als nur kommentierter Stammbaum. Schlink wird demnächst wieder einen Roman angehen, vielleicht noch einmal einen Kriminalroman. Halb wohnt er in Berlin, halb in den USA, wo auch seine Partnerin lebt und wo sie dereinst in ein einsames Haus in den Berkshires einzuziehen hoffen. Ein herzlicher Weltbürger im besten Sinn, bescheiden geblieben trotz Millionenauflage in den verschiedensten Übersetzungen und Verfilmungen mit grossem Hollywoodaufgebot.

Um diesen Artikel vollständig lesen zu können, benötigen Sie ein Abo.