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Zwei Ökonomen plädieren für mehr Musse

Vater und Sohn Skidelsky fragen sich, was es für ein gutes Leben braucht.

In einem Aufsatz über die «wirtschaftlichen Möglichkeiten unserer Enkelkinder» prophezeite John Maynard Keynes 1930, in 100 Jahren werde die Menschheit imstande sein, ihre wachsenden materiellen Bedürfnisse bei gleichzeitiger Reduktion der Arbeitszeit auf drei Stunden täglich befriedigen zu können. Die so gewonnene Zeit würden die Menschen nutzen, «weise, angenehm und gut» zu leben. Robert und Edward Skidelsky haben die Prophezeiung des berühmten britischen Ökonomen mit der realen Entwicklung in den letzten 80 Jahren verglichen. Tatsächlich ist – wie von Keynes vorhergesagt – das Pro-Kopf-Einkommen im Westen um das Vier- bis Fünffache gewachsen, die Arbeitszeit jedoch nur um ein Fünftel gesunken. Wie ist das zu erklären?

Zum einen ist zwar das Durchschnittseinkommen gestiegen, nicht aber das mittlere Einkommen. Das heisst, die Schere zwischen höheren und niedrigen Einkommen geht weiter auseinander, und viele Geringverdiener müssen ihre Arbeitszeiten erhöhen, um nicht in die Armut abzurutschen. Zum anderen wachsen in der freien Marktwirtschaft ständig die Konsumwünsche. An dieser Unersättlichkeit sei der Kapitalismus zwar nicht schuld, so die Autoren, er verstärke jedoch unsere angeborene Neigung, einander in materieller Hinsicht zu übertrumpfen.

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