Der Deutsche Buchpreis geht an Saša Stanišic

In seiner Dankesrede kritisierte der Preisträger den Nobelpreis für Peter Handke wegen dessen Jugoslawien-Texten scharf.

Saša Stanišic vor einer Lesung im Frankfurter Schauspielhaus. (Keystone/Frank Rumpenhorst)

Saša Stanišic vor einer Lesung im Frankfurter Schauspielhaus. (Keystone/Frank Rumpenhorst)

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Saša Stanišic ist 1978 im bosnischen Visegrad geboren und kam als 14-Jähriger aus den Jugoslawienkriegen nach Deutschland, wo er zu einem der wichtigsten und interessanten Autoren geworden ist. Sein Roman «Herkunft» (erschienen im Luchterhand Verlag) sei «ein Selbstporträt mit Ahnen, das zum Porträt eines Europas der Lebenswege wird», lobte die Jury. Vorarbeiten und Reflexionen dazu hatte Stanišic im November 2017 in seinen drei Poetik-Vorlesungen in Zürich präsentiert.

Stanišic nutzte seine Dankrede, um, wie schon in den vergangenen Tagen, heftige Kritik an der Vergabe des Literaturnobelpreises an Peter Handke zu üben. Handke habe in seinen Texten in den 1990er-Jahren die Verbrechen serbischer Milizen nicht nur verschwiegen, sondern geleugnet. Er habe sich die Wirklichkeit so zurechtgelegt, dass nur Lüge übrig geblieben sei. Das empöre ihn und vergälle ihm zum Teil die Freude am Buchpreis, sagte Stanišic.

Einmal erst ging der Preis in die Schweiz

Der Deutsche Buchpreis, der dem Sieger 25'000 Euro und den Finalisten je 2500 einträgt, ist die wichtigste Auszeichnung für einen in diesem Jahr erschienenen deutschsprachigen Roman. Er verschafft dem Gewinner in der Regel eine hohe Auflage und grosse öffentliche Beachtung. Ein einziges Mal ging er in die Schweiz, 2010 an Melinda Nadj Abonji («Tauben fliegen auf»).

Auf der Shortlist standen mit Raphaela Edelbauer («Das flüssige Land»), Miku Sophie Kühmel («Kintsugi») und Tonio Schachinger («Nicht wie ihr») drei Debüts, ausserdem mit Jackie Thomae («Brüder») ein weiterer kaum bekannter Name, und schliesslich der 67-jährige Norbert Scheuer («Winterbienen»).

Geht es um Kunst oder um Kasse?

Die Shortlist hatte im Feuilleton viel Kritik geerntet, weil sie auf schwache Romane gesetzt und wichtige Titel ignoriert habe. In der siebenköpfigen Jury sassen diesmal nur vier Literaturkritiker, dazu ein Literaturhaus-Leiter und zwei Bundhändler bzw. -innen. Petra Hartlieb, eine von diesen, hatte in einem Artikel in der österreichischen «Presse» über ihre Erlebnisse als Jurorin geplaudert. Darin fand sich auch die Passage: «Es tauchen auch Bücher auf den Lieblingslisten der Juroren auf, von denen ich nicht mehr als hundert Seiten schaffe, ich kann das nicht lesen, ich kann das nicht verstehen, ich kann das vermutlich nicht verkaufen. Und da, wie ein rettender Anker, eine kurze Mail des zweiten Buchhändlers in der Jury: ‹Wir müssen das verhindern.›»

Damit hat sich die Jurorin nach Ansicht vieler Kommentatoren blamiert, aber auch die Grundfrage des 2005 begründeten Buchpreises noch einmal zur Debatte gestellt: Soll der preisgekrönte Roman ein Buch sein, das massenhaft über den Ladentisch geht, oder soll er vor allem literarischen Kriterien gehorchen? Wobei das nicht zwangsläufig ein Gegensatz sein muss.

Erstellt: 14.10.2019, 19:20 Uhr

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