Der grosse Cellist Anner Bylsma ist tot

Er war ein Wegweiser der historischen Aufführungspraxis und Vaterfigur für viele Musiker.

Bach war seine grosse Liebe, aber Anner Bylsma spielte auch die grosse romantische Celloliteratur. Bild: Getty Images

Bach war seine grosse Liebe, aber Anner Bylsma spielte auch die grosse romantische Celloliteratur. Bild: Getty Images

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«Unsere Hände sind Wunder, die können Billard, Flöte oder Cello spielen, auch eine Frau berühren oder einen Mann! Aber der Kopf kommt dazwischen. Doch wenn der weiss, was er will, können die Hände auf allen Instrumenten richtig spielen!» So einfallsreich und vital sprach Anner Bylsma übers Musizieren.

Er war eine Portalgestalt für die historisch orientierte Aufführungspraxis neben Gustav Leonhardt, dem Cembalisten, Frans Brüggen, dem Blockflötisten und den Brüdern Kuijken. Und eine Vaterfigur für Cellisten und alle Musiker, die der Barockmusik nicht konventionell romantisierend beikommen wollen.

Im Zentrum seines Wirkens standen die sechs Solosuiten für Violoncello von Johann Sebastian Bach: «Denken Sie mal, in jeder Minute wird irgendwo auf der Welt ein Satz aus den sechs Bach-Suiten gespielt. Das ist doch sehr schön!» Sein Buch über die ersten drei Suiten, «Bach. The Fencingmaster», ist ein Kompendium an Anregungen über die Art, sich dieser Musik adäquat zu nähern.

Voller Humor, Listigkeit und Witz

Anner Bylsma sah aus wie ein echter Pionier, gross, starkknochig, widerspenstiges Haar um ein Gesicht, das vom Wetter gegerbt schien, voller Humor, Listigkeit und Witz, was ihn zu einem aussergewöhnlichen Lehrer machte, der seine Studenten ständig kreativ verunsicherte, ihre Wachsamkeit und Neugier mit spontanen Einfällen überraschte und herausforderte und sie zu ihrem je ureigenen Weg animierte.

Bylsma führte die jungen Musiker weg von der Fixierung auf das rein Instrumentaltechnische hin zur lebendigen Auseinandersetzung mit der Musik. Bei den Suiten von «Fechtmeister» Bach fragte er: «Was ist der Fehler, wenn du ein Solostück spielst? Zu denken, du bist allein.»

Bylsma studierte in Den Haag, wurde 1958 Solocellist der Nederlandse Opera in Amsterdam, gewann 1959 den Casals-Wettbewerb in Mexiko und war von 1962 bis 1968 Solocellist des Concertgebouw. In den letzten Jahren quälte ihn eine tückische Lähmungserkrankung. Am 25. Juli ist Anner Bylsma mit 85 Jahren gestorben.

Erstellt: 29.07.2019, 10:50 Uhr

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