Die grüne Welle

Die einen finden sie toll, die anderen schrecklich. Martin Ebel über mehrdeutige Metaphern und politisches Framing.

Tsunami der Zerstörung oder sanfter Wellengang der Veränderung? (Video: Anthony Ackermann, Sacha Schwarz)

Feedback

Tragen Sie mit Hinweisen zu diesem Artikel bei oder melden Sie uns Fehler.


«Die kleine Sprachsprechstunde» als Podcast:

Hören Sie sich «Die kleine Sprachsprechstunde» auch als Podcast auf Spotify oder auf iTunes an.


Herzlich willkommen zum guten Deutsch in aller Kürze. Die nationalen Wahlen sind vorbei, die grossen Sieger sind nicht, wie originalitätssüchtige Journalisten geschrieben haben, die CVP und ihr Chef Gerhard Pfister, sondern natürlich die beiden grünen Parteien, die zusammen über 20 Prozent der Stimmen bekommen haben. Sie liegen damit in einem Trend, der weit über die Schweiz hinaus reicht.

Die grüne Welle: Die finden die einen toll, die anderen schrecklich. Interessant, dass beide Lager dasselbe Bild wählen. Tatsächlich kann eine Welle beides sein, angenehm oder bedrohlich. Sie kann den Schwimmer tragen, dem Surfer Glücksgefühle einbringen. Sie kann aber auch überrollen, zerstören, ertränken.

Die grüne Welle ist ein Beispiel für die Mehrdeutigkeit von Metaphern. Und ein Beispiel für das Framing, das Besetzen von Begriffen, indem man sie emotionalisiert und in einen entsprechend bewerteten Kontext setzt. Die Bilder der «Welle», der «Flut» oder des «Stroms» wurden in den letzten Jahren gern auf Flüchtlinge bezogen, immer mit bedrohlichem Unterton, so, als drohe der bergigen Schweiz das Versinken in menschlichen Wasserfluten. Diese Metaphern hatten etwas Unmenschliches.

Bei der grünen Welle könnten sich aber die positiven Assoziationen durchsetzen. Schliesslich ist Wasser ja auch ein lebenswichtiges Element. Also: Achten Sie darauf, welche Botschaft man Ihnen mit solchen Bildern eintränken will. Und denken Sie daran: Sprache ist unser Schatz, hüten und pflegen wir sie.

Erstellt: 02.11.2019, 07:11 Uhr

Die Redaktion auf Twitter

Stets informiert und aktuell. Folgen Sie uns auf dem Kurznachrichtendienst.

Artikel zum Thema

Geschliffenes Deutsch

Video Martin Ebel über ein Verb, das stark oder schwach konjugiert wird und so vieles bedeuten kann. Mehr...

Was sind Federer-Fragen?

Video Von Federer, an Federer, um Federer? Martin Ebel über die grassierende Bindestrich-Manie, die vieles vernebelt. Mehr...

Ex und hopp

Video Ehemalige und Verflossene säumen manchen Lebensweg. Wie nennt man sie? Eine simple Vorsilbe reicht nicht, meint Martin Ebel. Mehr...

Die Redaktion auf Twitter

Stets informiert und aktuell. Folgen Sie uns auf dem Kurznachrichtendienst.

Weiterbildung

Lohncheck in Pflegeberufen

Qualifiziertes Pflegepersonal ist rar. Eine Pflegeinitiative setzt sich darum für höhere Löhne ein.

Kommentare

Weiterbildung

Gamen in der Schule

Die Schule bereitet Kinder auf die Arbeitswelt vor. Das Rüstzeug soll auch spielerisch vermittelt werden.

«Gäisle» der Menschheit

Video Pfand oder Peitsche: Martin Ebel über einen Mundartausdruck, der für manches Missverständnis gut ist. Mehr...

«Gäisle» der Menschheit

Video Pfand oder Peitsche: Martin Ebel über einen Mundartausdruck, der für manches Missverständnis gut ist. Mehr...

Die grüne Welle

Video Die einen finden sie toll, die anderen schrecklich. Martin Ebel über mehrdeutige Metaphern und politisches Framing. Mehr...