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Die komische Männer-WG

Am Dienstagabend wurden die Swiss Comedy Awards vergeben: Der Hauptpreis ging an Bliss. Die lustigsten Menschen der Schweiz werden basisdemokratisch gewählt.

Rosa Anzug, Blumenkleid und Bärte: So sieht die Crème de la Crème der Schweizer Lustigkeit aus.
Rosa Anzug, Blumenkleid und Bärte: So sieht die Crème de la Crème der Schweizer Lustigkeit aus.
Barbara Ryter

Am Schluss der Swiss-Comedy-Awards-Zeremonie stehen 14 Männer und 2 Frauen auf der Bühne. Fünf Preise sind an diesem Dienstagabend im Zürcher Bernhard-Theater verliehen worden, darunter auch der Publikumspreis, gleich vier davon gingen an Männer. So sieht der Proporz in der Schweiz in Sachen Lustigkeit aus, die Szene ist immer noch männlich dominiert. «Frölein, zahlen!», ruft Viktor Giacobbo in den Saal hinein, als Irene Brügger, die Frölein Da Capo ist, den Solopreis der Jury für ihre Produktion «Kämmerlimusik» erhält.

Der Spruch ist ein Scherz. Denn klein müssen sich die Frauen auf der Comedybühne nicht machen. Schon längst hat sich Irene Brügger vom Sidekick in Giacobbos Late-Night-Show emanzipiert, sie macht jetzt ihr Einfrauorchester und spielt in einer eigenen Liga. Auch die zweite Frau auf der Bühne ist toll. Beim Auftritt von Tahnee, die in Deutschland mit «Vulvarine» grosse Säle füllt und der Star dieser Liveshow ist, bleibt kein Mann ein Mann: Sie macht aus Moderator Stefan Büsser eine Katze. Und da kann der Büssi an diesem Abend noch so gut sein.

«Die geilsten Sieche im Showbusiness»

In der Schweiz werden eben immer noch Männer für ihr Verschwinden belohnt. So war es im letzten Jahr, als «Giacobbo/Müller in Therapie» ausgezeichnet wurden. Und so ist es bei der dritten Austragung dieser Swiss Comedy Awards. Das Trio Heinz de Specht gibt es eigentlich gar nicht mehr – sein «Tribute»-Programm bekommt aber den Ensemble-Preis. Und bei den Aufsteigern in der Szene hat sich die Jury von rund hundert Expertinnen und Experten für die männliche Form entschieden: Fabio Landert ist das Comedytalent, Zeki Bulgurcu der Onlinesieger. Da können sie noch so sagen: Wir machen die Schweiz lustiger denn je. Die Frauen sind hier nicht mitgemeint.

Die lustigsten Menschen werden basisdemokratisch gewählt. Beim Onlinevoting für den besten Auftritt des Jahres haben über 50'000 Personen mitgemacht. Diese Publikumsjury hat sich für das A-cappella-Quintett Bliss entschieden, das jetzt, zu seinem 20-Jahr-Jubiläum, mit «Volljährig» unterwegs ist und gerade drei Wochen im Bernhard-Theater gastiert. Die Männer singen über sich: «Wir sind die geilsten Sieche im Showbusiness.»

Das Bild, das das Publikum von der Schweizer Comedyszene bekommt, ist ein glückliches. Zum ersten Mal hat das Schweizer Fernsehen die Zeremonie übertragen. Saure Gesichter, wie es sie noch an den Swiss Music Awards gab, sieht man nicht im Saal. «Wir sind alle eine Familie», sagt Stefan Büsser. Alle freuen sich für die anderen. Es ist eine komische Männer-WG.

Ausschnitte aus dem Programm von Frölein Da Capo. (Quelle: Youtube)

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