Diese Brett- und Kartenspiele punkten in der Familie

Der Markt hyperventiliert, die wichtigste Spiele-Messe stellt über 1500 Neuigkeiten vor. Wir sagen, welche bei uns daheim ankommen.

Zwei Jungs an der Messe Spiel 19: Die Branche legte in den letzten fünf Jahren eine Wachstumsrate von über 40 Prozent hin. Bild: André Hirtz/FUNKE Foto

Zwei Jungs an der Messe Spiel 19: Die Branche legte in den letzten fünf Jahren eine Wachstumsrate von über 40 Prozent hin. Bild: André Hirtz/FUNKE Foto

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Waren Sie auch schon mal so richtig stinkig, als Ihre Tochter Sie beim smarten Ubongo überflügelte? Und wollten es dann unbedingt noch einmal wissen, jetzt aber wirklich? Mussten Sie auch schon tröstend eingreifen, als der Sohnemann beim Leiterli zum dritten Mal kurz vor dem Ziel in den Keller sauste? Oder als beim Memory mit markierten Karten geschummelt wurde?

Frusterinnerungen an vermasselte Spieleabende haben wohl alle im Gepäck, und trotzdem: Brett- und Kartenspiele boomen wie verrückt. Die Branche legte in den letzten fünf Jahren eine traumhafte Wachstumsrate von über 40 Prozent hin. Klassiker wie Monopoly aus dem Jahr 1935, Scrabble von 1948 oder die Mördersuche auf dem Cluedo-Brett von 1949 laufen noch immer, und jedes Jahr kommen neue Spiele dazu.

Die Branche boomt

So schossen bei der weltweit grössten Messe für nicht-elektronische Spiele, der «Spiel» in Essen, die Zahlen in die Höhe: 1998 wurden rund 300 Neuheiten aus 18 Nationen vorgestellt bei einer Besucherzahl unter 140'000; 15 Jahre später, 2013, waren es schon 800 neue Spiele aus 39 Nationen. Und 2019 zählte man über 1500 Spiele-Neuheiten aus 53 Nationen und 209'000 Besucher.

Wer das alles spielen soll? Na Sie! Und Ihre Kinder und Kindeskinder.

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Spielen Sie in der Familie?





Eine Erklärung für den anhaltenden Hype der nicht-elektronischen Spiele – die den digitalen Games offenbar keine Käufer abjagen, sondern zusätzliche Kunden erschliessen – liegt nämlich in der Generation, die derzeit eigene Kinder bespassen muss: also die Schulkinder der Achtzigerjahre.

Die Generation Spielkind

Damals, so Experten, tat sich was in der Branche: 1971 debütierten Mastermind und Uno, 1982 schlug Trivial Pursuit ein, 1983 Scotland Yard. Die Kids wurden angefixt – und reichen das nun an ihre Kleinen weiter. Auch wenn sie selbst es phasenweise total öde fanden, mit der Familie zu quartetteln oder was immer. Zudem sind in digitalen Zeiten «authentische», analoge Gemeinschaftserlebnisse voll angesagt. Ein sogenanntes Partyspiel ergatterte 2019 gar den von einer strengen Jury vergebenen Titel «Spiel des Jahres» (siehe unsere Infobox zu den Jahressiegern Just One und Tal der Wikinger).

Hier erzählen Redaktorinnen und Redaktoren, welche Spiele aus dem 21. Jahrhundert in ihren Familien ein Must sind (sortiert nach Altersempfehlung).


Unsere Familienspiele

  • Für kleine und grosse Abzocker

Wer hat am Schluss die wenigsten Punkte? Um das gehts bei diesem listigen Kartenspiel (deutsche Version ab 2002), in dem man der Mitspielerschaft die hässlichen Wasserratten unterjubeln will, weil man die friedlich nagenden Biber lieber selbst behalten möchte. Wer gewinnen will, braucht Erinnerungsvermögen, Kartenglück und eine gehörige Portion Abgezocktheit. Fiese Wesenszüge, die den Familienfrieden stören? Sind dabei auch von Vorteil. So soll es sein!
Benedikt Sartorius

Biberbande
Verlag: Amigo
Alter: 6+
Für 2-6 Spieler
Preis: ca. 9.- Fr.


  • Saugute Kartenschlacht

Blitzblank glänzen die Schweinchen in diesem Spiel (2012). Aber natürlich wären sie viel lieber schlammig: Es gilt also zu dreckeln. Für seine eigenen Schweinchen. Und gegen die Mitspieler, deren Tierchen man mit den entsprechenden Karten waschen oder auch sauberregnen lassen kann. Das macht Spass: weil man fies sein darf. Weil die Schweinchen so herzig sind. Und weil es ganz im Sinne der Kinder ist, wenn für einmal der Dreck über die Sauberkeit triumphiert.
Susanne Kübler

Drecksau
Verlag: Kosmos
7+
2-4 Spieler
ca. 12.- Fr.


  • Steine loswerden, Nerven bewahren

Simpel, smart und eine ästhetische Wucht ist das Spiel (2005) aus Frankreich: Es gilt hier, farbige Spielsteine in verschiedenen Formen auf dem Brett abzulegen, bis es dort keinen Platz mehr hat. Wer am Schluss am wenigsten Steine besitzt, ist der Sieger. Das von einem Mathematiker entworfene Spiel ist also eine Art analoges Tetris, mit dem Unterschied, dass mehrere Spieler gegeneinander antreten und auch Allianzen schmieden können. Vorsicht: Hoher Sucht- und Wutanfallfaktor!
Philippe Zweifel

Blokus
Mattel
7+
2-4 Spieler
ca. 27.- Fr.


  • Schnell, schneller, Ubongo!

Das ist Puzzeln auf Speed – gegen die Sanduhr, die Mitspieler und die eigene verflixte Schwäche beim räumlichen Vorstellungsvermögen. Geht gar nicht, die vorgegebene Figur nachzulegen, denkt man manchmal: Aber «geht nicht» gibts nicht! Das Ding (2005) wurde ein Bestseller, den es heute in verschiedensten Versionen gibt, auch in 3-D. In der Familie ist es hilfreich, wenn je ein Crack und ein Anfänger zusammenspannen. Das erhöht den Knobelspass und senkt die Frustgefahr.
Alexandra Kedves

Ubongo
Kosmos
8+ Juniorversion 5+
2-4 Spieler, erweiterbar
ca. 28.- Fr.


  • Bau dir deine Mittelalter-Welt

Als Brettspiel-Muffel hat mich «Carcassonne» (2000) doch gepackt: Das Spiel macht den Kartenleser zum Kartenleger. Die doppelte Festungsmauer der südfranzösischen Stadt hat den Spieleerfinder inspiriert. So kann man selbst Burgen bauen, Städte gründen und mit Strassen verbinden, Klöster auf Wiesen stellen – und dabei mit alledem Punkte sammeln. Die Spielkarten bilden immer Teilansichten ab, so dass jede Kombination ein neues Bild ergibt und eine neue Landschaft.
Martin Ebel

Carcassonne
Hans im Glück
8+
2-5 Spieler, viele Varianten
ca. 28.- Fr.


  • Schärft Teamgeist – und Kampfgeist

Ja, es kann ganz schön fies werden: Das Spiel (2010) ist eine Art «Eile mit Weile», bei dem nicht Würfel die zu ziehenden Felder vorgeben, sondern Bridgekarten. Taktik ist dabei so gefragt wie Glück. Spielt man es in einer vierköpfigen Familie, bilden jeweils zwei (am besten jeweils ein Erwachsener und ein Kind) ein Team. Wehe, beim anfänglichen Kartentausch schaut der Sohn nur auf sich, statt den Joker zu reichen! So packend, dass wir schon zwei Monate Spielpause machen mussten.
Daniel Böniger

Brändi Dog
Stiftung Brändi
9+
2-6 Spieler
ca. 80.- Fr.

Und was ist Ihr Lieblingsspiel? In der Kommentarspalte nehmen wir gerne Tipps entgegen.

Erstellt: 19.12.2019, 20:40 Uhr

Die besten Spiele 2019

  • Spiel des Jahres

Just One. Repos Production. Das Partyspiel basiert auf Kooperation: alle gegen das Spiel. Die Tipps der andern und freies Assoziieren helfen beim Wörterraten. Ab 8 J., ca. 20.- Fr.

  • Kinderspiel des Jahres
Tal der Wikinger. Haba. Motorisches und taktisches Vermögen sind gefragt: Mit einer Kugel schubst man Fässer auf dem Brett um und setzt die eigenen Wikinger strategisch klug. Ab 6 J., ca. 20.- Fr. (ked)

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