Animal national

Güzin Kar sucht ein Wappentier für die Schweiz.

Unsere Kolumnistin Güzin Kar.

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Es gibt Fragen, die mich immer wieder heimsuchen wie Herpesbläschen oder die Zeugen Jehovas und mich in schlaflosen Nächten wach halten wie ein unlösbares Sudoku. Zu diesen Fragen zählen: Warum haben Männer Brustwarzen? Weshalb entfalten Entspannungsbäder nie ihre Wirkung? Und: Warum hat die Schweiz kein Wappentier? Letztere mag einem im Lichte des Alltags mit dessen Verheissungen und Verpflichtungen wie eine kuriose Denksportaufgabe, ein gesuchtes Thema für nicht in die Gänge kommen wollende Tischrunden erscheinen – und natürlich sind Brustwarzen wichtiger als Wappentiere –, aber was kann ich dafür, es beschäftigt mich halt. Und zwar mehr als japanische Zahlenrätsel und evolutionsbiologische Scherze.

Deutschland hat seinen Bundesadler, von Roger Willemsen unter «Repräsentationsgeflügel» subsumiert, Albanien den zweiköpfigen Drachen und die Elfenbeinküste den Elefanten. Die Schweiz hat nichts. Natürlich, es gibt andere Nationen, darunter recht grosse, die ohne Getier auskommen, aber Frankreich hat immerhin seine royale Lilie, Schweden das Billy-Regal, und Italien sieht bereits selber aus wie das, wofür es berühmt ist: Schuhwerk. Wenigstens führen unsere Kantone etwas Tier im Wappen. Bern den Bären, Schaffhausen den Widder, Graubünden den Steinbock und Uri den Stier. Das Wallis führt lustige Sterne, aber das stiess recht spät zur Schweiz und hat womöglich das Prinzip nicht verstanden. Vielleicht kann man ihm doch noch sanft ein Meerschweinchen oder ein Büsi aufdrängen.

Ein Nashorn für die Schweiz

Wappentiere müssen nämlich sympathisch sein. Ein Haifisch käme nicht gut an, denke ich, ebenso wenig wie eine Ratte oder eine Milbe. Von typischen Beutetieren wie Hasen, Goldfischen und Regenwürmern ist abzuraten. Man stelle sich die diplomatischen Verwicklungen vor, jedes Mal wenn in einer Tierdoku ein Raubvogel einen Wurm verspeist. Deutschland hat schon wieder die Schweiz gefressen! Auch als symbolische Geste empörend. Ebenfalls absehbar wäre die «Volksinitiative zum Sezierverbot unseres Landes im Biologieunterricht».

Wappentiere sollten gross, stark und majestätisch sein. Der deutsche Adler ist geradezu perfekt geeignet. Er macht mich neidisch, und ich denke immerzu, wenn die so etwas haben, will ich das auch. Gut, dafür haben sie auch Nena und die Eurokrise. Andererseits auch Maultaschen. Ich würde sofort Gschwellti und die Berner Bären gegen Maultaschen und Adler tauschen. Aber vielleicht braucht die Schweiz ein Tier, das wappenmässig noch unbeschrieben ist. Ich denke an ein Nashorn, denn ich finde, dass die Schweiz als Landkarte ein bisschen aussieht wie ein Nashorn. Waadt und Neuenburg wären der Hintern, Jura der Schwanzstummel, und Graubünden gäbe den vornüber geneigten Kopf.

Das Horn fehlt noch, aber wenn wir ein Stück von Österreich annektieren würden oder von Deutschland, je nachdem, ob das Nashorn demütig nach unten oder stolz nach oben blickt, brächten wir ein tipptoppes Tier hin. Und so genau muss man das nicht nehmen, denn Deutschland sieht ja auch nicht aus wie ein Adler oder höchstens wie einer, der auf der Autobahn bei 250km/h überfahren wurde, was immer Adler auf Autobahnen zu suchen haben. Ein Restadler als Wappentier wäre seltsam, nicht? Dann doch lieber eine Brustwarze als nationales Symbol.

Erstellt: 25.07.2014, 16:37 Uhr

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