«Auswirkungen eines Outings muss man sich gut überlegen»

Apple-Chef Tim Cook hat sich als schwul geoutet. Was bringt ihm das? Schadets sogar? Dazu Headhunter Thomas A. Biland.

«Lasst es mich klar sagen: Ich bin stolz darauf, schwul zu sein»: Apple-Boss Tim Cook. (Archivbild)

«Lasst es mich klar sagen: Ich bin stolz darauf, schwul zu sein»: Apple-Boss Tim Cook. (Archivbild) Bild: Keystone

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Apple-CEO Tim Cook hat sich in einem Beitrag im Magazin «Business Week» als schwul geoutet. Damit steht er als homosexueller Spitzenboss praktisch alleine da. Warum ist das so?
Bereits als Tim Cook 2011 CEO von Apple geworden ist, habe ich in den Medien gelesen, dass er schwul sei. Jetzt hat er es selber klargemacht. Ich finde es mutig und ein positives Signal, dass er dazu steht. Seine Botschaft trägt dazu bei, Vorurteile abzubauen. Grosse Teile der Wirtschaft funktionieren nach konservativen Mustern; ganz anders etwa das Mediengeschäft, die Tourismusbranche oder die Kunstwelt.

Aus welchem Grund?
Das hat mit dem wirtschaftlichen Prinzip des Geldverdienens zu tun. Gewisse Formen müssen dabei gewahrt bleiben. Trug man früher etwa keine Krawatte, galt man als wilder Vogel. Die eigene Karriere ist auch immer abhängig von «denen da oben»; und das sind häufig ältere, konservative Personen. Bis sich etwas verändert, braucht es viel Zeit.

Sind solche Abhängigkeiten der Hauptgrund, warum sich Topmanager selten outen?
Ganz klar. Man hat Angst, seiner Karriere zu schaden. Bei börsenkotierten Unternehmen gibt es den Verwaltungsrat, Aktionäre und Investoren. Die Auswirkungen eines Outings muss man sich daher gut überlegen; es könnte etwa Kunden abstossen. Natürlich kann es auch förderlich sein. Die Frage nach dem Nutzen steht jedenfalls immer im Vordergrund.

Spielt die Befürchtung, als homosexueller Spitzenboss zu wenig respektiert zu werden, auch eine Rolle?
Ja, man befürchtet, subtil ausgestossen zu werden. Auch ich habe schon beobachtet, wie eine Frau, die sich outete, von einem HR-Verantwortlichen Ablehnung erfuhr. So etwas finde ich hochgradig absurd. Es sollte zum Normalfall werden, dass Führungskräfte zu ihrer Homosexualität stehen können. Viele bleiben aber immer noch «im Käfig» und versuchen den Schein zu wahren.

Könnte es sein, dass Tim Cooks Outing Apple schaden wird?
Nein, im Gegenteil. Apple ist eine Marke, die für Wandel und Fortschritt steht. Es gibt sicherlich Fonds oder Investoren, die Cooks sexuelle Gesinnung nicht gutheissen. Aber Cook hat sich diesen Schritt gut überlegt; das war nicht einfach ein Bauchentscheid. Solche News sollten in Zukunft aber völlig irrelevant werden.

Erstellt: 30.10.2014, 17:24 Uhr

Headhunter Dr. Thomas A. Biland gründete 2005 seine eigene Executive Search Boutique. Sein Schwergewicht liegt im Bereich internationale Direktsuchen für Führungskräfte und Fachspezialisten in Industrie und Dienstleistung. Er ist aktives Mitglied in verschiedenen wirtschaftlichen, sozialen und kulturellen Vereinigungen.

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