«Bei uns gibt es keine Kirchen oder Moscheen»

Gamedesigner Thomas Frey tüftelt seit Jahren an der perfekten Idylle. Jetzt hat der Zürcher eine neue Version seines Landwirtschaftssimulators veröffentlicht.

Seit 2008 weltweit erfolgreich: Eine Geschichte des Landwirtschaftssimulators.


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Seit 2008 veröffentlichen Sie den «Landwirtschaftssimulator» in immer neuen Versionen. Wirds langweilig?
Klar, ich und mein Team wurden Opfer des eigenen Erfolgs. Der Simulator wird uns mit Sicherheit auch die nächsten fünf Jahre noch voll in Beschlag nehmen. Aber da die Landwirtschaft ein sehr weites Feld ist, wirds uns bestimmt nicht langweilig. Es gibt noch so viele Erweiterungsmöglichkeiten: Wir könnten Gemüse und neue Feldfrüchte wie Baumwolle oder Zuckerohr einführen, oder neue Tiere wie zum Beispiel Schweine.

Auch eine Metzgerei, in der die Schweine geschlachtet werden?
Nein. Unser Spiel soll idyllisch bleiben. Man würde die Schweine an einen Händler verkaufen können, das Schlachten würde also ausserhalb der Spielwelt stattfinden. Kinder sollen den Simulator weiterhin problemlos spielen können, und wir wollen niemanden verärgern. Deshalb verzichten wir auch auf religiöse Symbolik. Bei uns gibt es keine Kirchen oder Moscheen.

Ihre Traktoren funktionieren immer tadellos – auch nachdem man sie mehrmals mit Karacho gegen einen Baum gefahren hat.
Wir verzichten bewusst auf Schadensmodelle, der Spieler soll sich nicht mit Reparaturen herumplagen müssen. Im neusten Spiel können die Fahrzeuge allerdings dreckig werden. Man kann sie dann mit einem Hochdruckreiniger säubern.

Warum gibt es keine Subventionen in Ihrem Spiel? Für die meisten Bauern der westlichen Länder sind diese überlebensnotwendig.
Das wäre zu abstrakt. Und politisch werden möchte ich ja wie gesagt auch nicht; es erscheint mir nicht sinnvoll, dass sich ein amerikanischer Spieler mit Schweizer Subventionsfragen beschäftigen muss. Wir wollen das Spiel möglichst offen, möglichst allgemein halten.

Wie funktioniert die Zusammenarbeit mit den Traktorherstellern?
Wir besuchen ab und an Landwirtschaftsmessen, schauen uns dort die neusten Modelle an und tauschen uns mit den Herstellern aus. Gewisse Firmen bemühen sich aktiv darum, im Spiel vorzukommen. Wenn es sich um kleinere Unternehmen handelt, nehmen wir ihre Modelle gegen Bezahlung ins Spiel auf. Weit verbreitete, populäre Modelle anderseits wollen wir so oder so im Spiel haben. Wir geben allerdings kein Geld dafür aus, dass wir Traktoren übernehmen können.

Ihr Spiel ist ein globaler Erfolg. Wer kauft es?
Ursprünglich glaubten wir ja, wir würden nur eingefleischte Simulationsfans ansprechen. Leute, die im Flugsimulator in Echtzeit einen Flug von London nach New York simulieren und sich dabei von ihrer als Stewardess verkleideten Frau das Essen servieren lassen. (lacht) Solche Leute haben wir heute sicher auch – vor allem aber sind es Gelegenheitsspieler und sehr, sehr viele Kinder.

Ihre Fangemeinde ist riesig und überaus aktiv: Welches ist die verrückteste Fan-Modifizierung Ihres Simulators, die Sie bisher gesehen haben?
Da gibt es natürlich sehr viele. Am verrücktesten war aber wohl die furzende Sau auf Rädchen. (lacht) Daneben gibt es notabene aber auch viele technisch komplexe, ernsthafte Mods. Ein Spieler hat dem Game etwa ein voll funktionstüchtiges Flugzeug hinzugefügt.

Vor nicht allzu langer Zeit ging ein Geissensimulator online und stiess auf riesige Resonanz. Wäre so was auch für Sie denkbar?
Eher weniger. Diesen Geissensimulator spielt man ja maximal eine halbe Stunde, darüber hinaus machts keinen Spass mehr. Der anhaltende Erfolg unseres Games hingegen besteht ja gerade in seiner grossen Spieltiefe, die die meisten anderen Simulatoren nicht bieten können. (Tagesanzeiger.ch/Newsnet)

Erstellt: 03.11.2014, 15:20 Uhr

Thomas Frey (32) ist Gamedesigner und Mitinhaber der Zürcher Firma Giants Software, die 2008 den «Landwirtschaftssimulator» erstmals auf den Markt brachte und seither höchst erfolgreich vertreibt.

Die PC-Version des «Landwirtschaftssimulator 2015» ist seit dem 30. Oktober erhältlich. (Bild: zVg)

Video

Eine verrückte Angelegenheit: Der «Schweine-Mod» für den «Landwirtschaftssimulator» (ab 00:30).

Video

Der Trailer des «Goat Simulator».

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