Betrug im Wettbewerb der Superhirne

Die Quiz Bowls gehören in den USA zu den prestigeträchtigsten Wettbewerben zwischen den Colleges. Jetzt ist herausgekommen: Ein prominenter Teilnehmer der Harvard-Universität hat betrogen.

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Was die Teilnehmer eines Quiz Bowl antreibt, ist der Drang, alles zu wissen und jede noch so knifflige Frage lösen zu können. Dafür bereiten sie sich lange vor und freuen sich, wenn sich die harte Arbeit auszahlt. Umso schlimmer, wenn betrogen wird – wie kürzlich bekannt wurde. Vier Teilnehmer des Quiz Bowl Tournament, darunter je einer von den Elite-Unis MIT und Harvard, hatten sich unbefugt Zutritt ins Computersystem der National Academic Quiz Tournaments-Organisation (NAQT) verschafft. So konnten sie Fragen für den Wettbewerb anschauen und sich entsprechend vorbereiten. Deshalb wurden den betreffenden Hochschulen alle Titel der letzten Jahre aberkannt, wie Slate.com berichtet.

Haupttäter soll Andy Watkins aus Harvard sein. Der Undergraduate-Chemiestudent, mittlerweile als Graduate an der New York University, hatte mit seinem Team dreimal die nationalen Meisterschaften gewonnen. Watkins war nicht nur regelmässiger Quiz-Bowl-Spieler, sondern hat auch Fragen geschrieben. So hatte er Zugang zu internen Daten und konnte wegen eines Fehlers im System Fragen von kommenden Wettbewerben anschauen.

Verschworene Gemeinschaft

Er selber schrieb in einem Statement, dass er seine Tat bereue, betonte aber, dass er daraus keinen Vorteil gezogen und nie betrogen habe. Auch die NAQT meint, dass es keinen statistischen Beleg dafür gäbe, dass er in einem Wettbewerb wirklich eine Frage bekommen habe, die er schon kannte, disqualifizierte ihn aber trotzdem und schloss ihn von allen Veranstaltungen aus.

Andy Watkins fiel in der kleinen, verschworenen Quiz-Bowl-Gemeinschaft nicht zum ersten Mal auf: Als sich seine Werte plötzlich markant verbesserten, leitete der Verband eine Untersuchung ein, die aber ohne Ergebnis blieb. Er fiel auch durch sein Verhalten auf. Watkins nahm das Spiel offenbar sehr ernst und wurde wütend, wenn es nicht gut lief. Mit seiner aggressiven Spielweise sorgte er zusätzlich für Aufsehen. So kam es für viele nicht überraschend, dass er auf unfaire Art und Weise einen Vorteil für sich suchte.

Wettkampf der Universitäten

Die Quiz Bowls sind ein wichtiger Bestandteil der Academic Games, den Wettkämpfen der amerikanischen Universitäten. Zwei Viererteams spielen gegeneinander, jeder hat einen Buzzer vor sich, den er drückt, wenn er die Antwort weiss. Die Fragen kommen aus allen Wissensgebieten, von Naturwissenschaften über Literatur und Kunst bis zu Geschichte und Politik. Die Fragen sind mehrstöckig aufgebaut: Wenn Philipp II. von Makedonien gesucht wird, kommt erst am Schluss der Hinweis, dass er der Vater von Alexander dem Grossen war; zuerst werden seine militärischen Einflüsse genannt. Die Wettbewerbe wurden früher regelmässig am Fernsehen übertragen. Ebenso nehmen gestandene Teilnehmer oft mit grossem Erfolg an TV-Quiz-Shows wie «Jeopardy!» teil.

Diesen Weg kann Watkins nicht mehr gehen. Sein Vergehen zog eine grosse mediale Aufmerksamkeit nach sich. Einer seiner Teamkollegen nervte sich darüber, dass nur über den Quiz Bowl berichtet wird, wenn man damit Harvard kritisieren kann. Die Universität hat sich nicht geäussert. Der momentane Vizepräsident des Quiz-Bowl-Teams sagte in der Universitäts-Zeitung aber, die NAQT habe Harvard zu Recht die Titel aberkannt. Die Quiz-Bowl-Dachorganisation schützt ihre sensiblen Daten mittlerweile besser. (lmm)

Erstellt: 11.04.2013, 15:13 Uhr

NBC College Bowl von 1966

Quiz Bowl in der Web-Serie «Dorm Life»

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