Das Ende des Kissling-Paradoxons?

Die Petition, die eine Abschaffung der Astrologiesendung «Madame Etoile» fordert, wird morgen eingereicht. Mittlerweile scheinen sich die Radiomacher ihrer Sache nicht mehr ganz sicher zu sein.

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Die Astrologiesendung «Madame Etoile» von Monica Kissling ist massiv in die Kritik geraten, seit ihre diametral unterschiedlichen Interpretationen zutage traten: Die Radio-Verantwortlichen betrachten die zweimal wöchentlich ausgestrahlte Sendung als unterhaltsame Plauderei, derweil Kissling selber sich als seriöse «Erfahrungswissenschaftlerin» sieht (Tagesanzeiger.ch/Newsnet berichtete) – ein Paradoxon.

Dass unter den Gebührenzahlern ein beträchtliches Unbehagen gegenüber Kisslings Sterndeuterei vorhanden ist, zeigt der Erfolg der Web-Petition der Zürcher Freidenker. In kurzer Zeit hatten die Petitionäre die nötigen 1000 Unterstützer beeinander. Auch die Online-Kommentare legten nahe, dass die Sendung nicht annähernd die Beliebtheit und den Rückhalt in der Bevölkerung habe, die SRF zu suggerieren versuche, sagt der Initiator der Petition, Andreas Kyriacou.

Keine «unterhaltende Spielerei» mehr?

Der Präsident der Zürcher Freidenker-Vereinigung hegt die Hoffnung, mit seinem Begehren am Leutschenbach eine «ernsthafte interne Debatte» auslösen zu können. Darin bestärkt sieht sich Kyriacou durch ein anderweitiges Auftreten des Kissling-Pardoxons. An Silvester lud SRF 1 eine Wahrsagerin ein, doch was als Jux gedacht war, wurde offenbar von einigen Hörern ernst genommen. Die Wahrsagerin prognostizierte einer Zuhörerin einen längeren Aufenthalt im Spital; kurz darauf ging am Leutschenbach eine Beschwerde ein, in der die Sendung als «sehr destruktiv» kritisiert wurde («Was wird die Zuhörerin, wenn sie daran glaubt, sich heute für Gedanken machen?»). SRF zeigte sich einsichtig und gelobte Besserung. Interessant an der betreffenden Stellungnahme war insbesondere der Hinweis, dass Wahrsagerei nicht als – Zitat SRF – «‹unterhaltende› Spielerei» behandelt werden dürfe; interessant deshalb, weil Kisslings Sendung bis dato mit genau dieser Begründung ausgestrahlt wird. Er hoffe, dass die Sendeverantwortlichen nun zur Erkenntnis kämen, «dass sich das Sendegefäss ‹Madame Etoile› totgelaufen hat», sagt Kyriacou.

Vom Leutschenbach sind nur einsilbige Statements zu vernehmen; der Verdacht drängt sich auf, dass SRF sein Esoterik-Problem aussitzen will. Der Radio-Bereichsleiter Röbi Ruckstuhl werde die Petition morgen entgegennehmen, liess Sprecher Marco Meroni verlauten. Ruckstuhl werde sie danach mit den Verantwortlichen besprechen. Monica Kissling selber gibt gar keine Auskunft und verweist auf Meroni – und bestärkt so das Paradoxon.

Erstellt: 07.02.2013, 15:48 Uhr

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