Der Frauenversteher

Andrew Morton, Lady Dis berühmter Biograf hat versucht, das Leben von Angelina Jolie auszuleuchten.

Selber eine Berühmtheit: Andre Morton, der meistgelesenste Biograf von Celebritys.

Selber eine Berühmtheit: Andre Morton, der meistgelesenste Biograf von Celebritys. Bild: Keystone

Feedback

Tragen Sie mit Hinweisen zu diesem Artikel bei oder melden Sie uns Fehler.

Seine Übernamen reichen von «hassenswerter Widerling» (Bob Geldof ) über «der Mann mit der lustigen Brille» bis zu «Supe» – weil er mit seinen 1,93 Metern gebaut ist wie ein Schrank und die Ex-Kollegen im königlichen Pressekorps an Superman Clark Kent erinnert hat. Andrew Morton, meistgelesener Biograf von Celebritys, ist heute selber eine Berühmtheit.

Mit seiner Biografie von Lady Di, die eine tieftraurige Prinzessin hinter der Glitzerfassade zeigte, katapultierte er sich ins Rampenlicht. Als «Scoop des Jahrhunderts» bezeichnete er seine Enthüllung damals, deren heimliche Quelle die Prinzessin selber war. Und tatsächlich versucht er seither vergeblich, die Diana-Story mit Büchern über andere Superstars zu übertreffen. In seinem neuesten hat er die heilige Angelina von Hollywood aufs Korn genommen, und noch bevor die nicht autorisierte Biografie in den Buchhandlungen auflag, berichteten von Klatschblogs bis zu grossen Zeitungen alle genüsslich über die «dunklen Geheimnisse» der Jolie. Wir erfahren, wie die 35-jährige Schauspielerin, Retterin der Armen und sechsfache (Adoptiv-)Mutter, entjungfert worden sei und dass sie zweimal kurz vor dem Selbstmord gestanden haben soll.

Der Intimfreund berühmter Frauen

Natürlich vergleicht Morton ihre Ausstrahlung mit jener von Lady Di, der die Herzen zuflogen, wo auch immer sie auftrat. Er erzählt auch eine ähnliche Geschichte – jene der traurigen Gestalt hinter dem Leben in Saus und Braus. Morton, mit dem Jolie nicht geredet hat, führt ihr hektisches Wesen auf den «Urschmerz des Verlassenwerdens» in der Kleinkindphase zurück. Seine Karriere hat der studierte Historiker als Boulevard-Berichterstatter am britischen Königshof begonnen. Als Morton die Sperrfrist für die Medien brach und zu früh über die Weihnachtsrede der Queen berichtete, beging er Majestätsbeleidigung und verlor seinen Job. Er wurde Biograf und spezialisierte sich von da an als Opferchronist, insbesondere als Intimfreund berühmter Frauen, deren Geschichte er erzählt. Den Durchbruch feierte er mit den Enthüllungen von Prinzessin Diana, die Morton zum mehrfachen Millionär machten. Dabei interviewte er Lady Di gar nicht selber, das erledigte ein gemeinsamer Freund, der Morton regelmässig mit Tonbändern versorgte.

Auch Monica Lewinsky erzählte dem biografischen Frauenversteher ihre Sicht der Dinge. Er gab sie ungefiltert wieder. Und er schilderte das Leben Madonnas, die seine Anfragen ignorierte. Dennoch porträtierte er sie als Opfer, das im Privatleben oft die Kontrolle verliert. Nur in seinem vorletzten Werk über Tom Cruise polemisierte er gegen den Schauspieler und dessen ScientologyVerbindung, sodass das Buch in Grossbritannien wegen drohender Klagen gar nicht erscheinen konnte.

Selbst ein Boulevard-Opfer

Boulevardbiograf Morton ist selber auch schon Opfer des Boulevards geworden: vor zehn Jahren als Ehebrecher. Seine Geliebte Debbie breitete die Affäre des verheirateten Vaters zweier Töchter vor einem Millionenpublikum aus, auch seine Vorliebe für aussergewöhnlichen Sex – mit Bildern, wie er sie fesselte und küsste. Für den Erzähler saftiger Geschichten damals kein Grund, mehr über seine eigene zu erzählen: «Ich schreibe Bücher, über das Leben von Menschen, die Ruhm suchen. Ich aber wollte nie berühmt werden.»

Erstellt: 06.08.2010, 07:24 Uhr

Mortons neustes Werk: Die Biografie über Schauspielerin Angelina Jolie.

Kommentare

Blogs

Von Kopf bis Fuss In drei Minuten zur inneren Ruhe

Geldblog Sunrise: Hohe Dividende gegen die Unsicherheit

Die Welt in Bildern

Was für eine Plage: Eine Bauernstochter in Kenia versucht mit ihrem Schal Heuschrecken zu verjagen. (24. Januar 2020)
(Bild: Ben Curtis) Mehr...