Der Knöpfchen-Virtuose

Luca Boller bekommt Geld vom FC Basel – fürs Gamen.

Boller in Aktion, und einmal mehr dürfte er mit der Spielmechanik gehadert haben.


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Ein Freund sei mal die Treppe runtergefallen, erzählt Luca Boller, und habe sich an der Hand verletzt. Trotz Handicap habe er Game-Turnier teilgenommen. «Er hatte keine Chance.»

Fingerkuppen, Knöchel und Handgelenke sind das Kapital der Knöpfchen-Virtuosen. Tennisschläger nimmt Boller deshalb lieber nicht zur Hand, zu heikel wäre das. Nun, nachdem ihn der FC Basel verpflichtet hat, dürfte der 22-jährige Zürcher noch vorsichtiger sein. Wenn am Wochenende die Super League wieder beginnt, ist der E-Sport in der Fussball-Schweiz angekommen. Neben Basel haben auch St. Gallen, Luzern und Lausanne E-Sportler engagiert. Wer in der boomenden Gameindustrie nicht mittut, ignoriert ein Milliardengeschäft und ein potenzielles Publikum von Millionen Jugendlichen.

Boller arbeitet Teilzeit für eine Bank, Vollzeit-Gamen ist sein Ziel. Das ist durchaus realistisch, denn Fussballclubs in ganz Europa investieren seit zwei, drei Jahren viel Geld in E-Sports-Abteilungen. Paris St. Germain etwa hat Spieler aus Südkorea, aber auch aus Finnland oder der Tschechischen Republik eingekauft. Luca Boller ist in der Szene seit 2015 bekannt, als er für Paderborn die virtuelle Bundesliga aufmischte.

Surreale Momente

Wenn Boller abends nach Hause kommt, setzt er sich in den ergonomischen Gamer-Sessel und beginnt zu trainieren. Der FC Basel bezahlt ihm einen Arbeitstag pro Woche, aber natürlich spielt Boller fast jede freie Minute. Könnte er sein Bankpensum zugunsten des Gamens reduzieren, würde er sein Spielsystem verfeinern. «Ich würde zum Beispiel eine Dreier-Abwehr ausprobieren», sagt er, der gewöhnlich mit einer defensiven Aufstellung spielt. Auch wenn sein Team jetzt im FCB-Trikot aufläuft, ist es mit Weltklassespielern wie Ronaldo oder Suarez bestückt. Das verlangen die Spielmodi so. Würde Boller stets mit Delgado, Zuffi und Co. antreten, hätte er einen Wettbewerbsnachteil.

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Boller hat sich auf das Game «Fifa» der Firma Electronic Arts (EA) spezialisiert. Millionen Fans warten im Herbst jeweils auf die neue Version des Spiels. Diese Popularität ist für Boller problematisch, weil EA Spielbarkeit höher bewertet als Exaktheit. Boller ärgert sich über die eher grobe Spielmechanik, die seine raffinierten Strategien und Tricks sabotiert. Wenn der Match länger dauert und die Spieler allmählich ermüden, kommt es besonders häufig zu rätselhaften Überraschungen. Schlampig programmierte Codes erzeugen surreale Momente: Einmal habe der alternde Abwehrspieler Philipp Lahm seinen Cristiano Ronaldo übersprintet. «Und das mit dem Ball am Fuss!» Da gehe «im Affekt» schon mal ein Controller kaputt.

Solche Bugs können Boller die Karriere kosten, weil der E-Sport als ernstes Business auf berechenbare, exakt ausbalancierte Games angewiesen ist, und in dieser Hinsicht ist «Fifa» anderen Spielen unterlegen. «Ob ich als E-Sportler eine Zukunft habe, hängt eng mit der Entwicklung von ‹Fifa› zusammen.» Falls die Einnahmequelle des kompetitiven Spielens versiegt, bleibt Boller das «Let’s play»-Genre, bei dem Könner ihre Matches für staunende Laien auf Video aufzeichnen. «Youtube ist mein Plan B.» (Tages-Anzeiger)

Erstellt: 20.07.2017, 14:32 Uhr

Seit Mai Angesteller des FC Basels: Luca Boller. (Bild: PD)

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