Porträt

Der Uni-Verächter

Peter Thiel verdiente im Internet Millionen. Nun besucht er mit einem speziellen Konzept das WEF: Er belohnt junge Talente mit Stipendien, wenn sie ihr Studium abbrechen oder gar nicht erst mit der Uni anfangen.

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«Bildung ist das höchste Gut» hört man allenthalben, die Matura sei das Mindeste, und ohne Uniabschluss ginge fast gar nichts. Alles Nonsens, meint Unternehmer Peter Thiel, der mit dem Online-Bezahlsystem Pay Pal und als Facebook-Investor Hunderte Millionen verdient hat.

Der deutschstämmige US-Amerikaner hat letztes Jahr die Thiel Fellowship gegründet – ein sehr erstaunliches Förderprogramm: Es belohnt junge Menschen, wenn sie ihr Studium abbrechen oder die Uni gar nicht erst beginnen. Stattliche 100'000 Dollar pro Person vergibt die Stiftung, falls ein vielversprechender Businessplan vorliegt. «Es gibt Ideen, die nicht warten können», lauten die Begrüssungsworte auf der Fellowship-Webseite.

Harte Arbeit und eine gute Idee

Thiel, der diese Woche am WEF referieren wird, hat bis dato 22 Talente gesponsert. Darunter finden sich mehrere, die sich bereits einen der hoch begehrten Studienplätze an Eliteunis gesichert hatten. So der 19-jährige Ben Yu, der in Harvard immatrikuliert gewesen war und sich später für ein Thiel-Stipendium entschied, um sein Unternehmen Pricemash zu lancieren. Oder Daniel Friedman (20), der sich in Yale eingeschrieben hatte und sich nun der Unternehmensgründung zugewandt hat. Andere wie die 19-jährige Eden Full oder der 18-jährige Sujay Tyle beschäftigen sich bereits seit Kindesjahren leidenschaftlich mit einem bestimmten Projekt.

Die Thiel Fellowship wird getragen von der typisch amerikanischen Hochachtung vor dem Unternehmertum, von der Vorstellung, dank harter Arbeit und einer einzigen, aber wirklich guten Idee zu Wohlstand und Selbstverwirklichung zu kommen. Dieses «Entrepreneurship» ist per se praxisnah und theoriekritisch, was die Skepsis Thiels und seiner Stipendiaten gegenüber langen Unijahren mit erklärt.

Jedoch kommt ein weiterer, aktueller Grund hinzu. Peter Thiel glaubt, dass Amerika nach der Immobilienblase eine Bildungsblase droht, dass sich die enormen, stetig steigenden Kosten, die für einen Universitätsabschluss in den USA mittlerweile anfallen, schlicht nicht mehr lohnen. In einem Gastbeitrag für die «New York Times» erklärt Thiel: «Millionen müssen heute für ein Studium mehr als das Vierfache dessen bezahlen, was ihre Eltern aufgewendet haben, und das für eine vage Hoffnung, zweifelhaftes Wissen und zweifelhafte Fähigkeiten und einen lähmend grossen Schuldenberg.»

«Hacking your Education»

Wahrscheinlich wird der eine oder die andere der hochtalentierten Jungen – gescheitert, ausgelaugt, gelangweilt – irgendwann doch noch ein Studium in Angriff nehmen. Für Dale J. Stephens allerdings käme das einer persönlichen Niederlage gleich.

Stephens wird von Thiel wegen eines ganz besonderen Projekts gefördert. Uncollege heisst sein Dienstleistungsunternehmen, das die Idee der Thiel Fellowship vertieft. «Hacking your Education» lautet der Firmenleitspruch, Stephens bietet zahlreiche Kurse und Anleitungen für ein «glückliches, unifreies Leben» an. Ob der Jungspund mit seiner Fundamentalkritik am Bildungsglauben reüssieren kann, wird sich spätestens in zwei Jahren zeigen – dann nämlich läuft sein Thiel-Stipendium aus. (Tagesanzeiger.ch/Newsnet)

Erstellt: 25.01.2012, 09:59 Uhr

Peter Thiel

Der aktuellen Universitätskritik zum Trotz studierte Peter Thiel (*1967) selbst durchaus, und zwar Philosophie und Jura in Stanford. Noch während seiner Studienzeit gründete er die Wochenzeitung «The Stanford Review». Thiel betätigte sich als CEO von Pay Pal, als Facebook-Investor und Hedgefonds-Manager. Sein Vermögen wird auf über eine Milliarde US-Dollar geschätzt. Politisch steht Thiel dem Republikaner Ron Paul nahe.

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