Die X-Leute

Eine deutsche Genderstudies-Professorin will mit einem kühnen Vorschlag diskriminierende Wortformen eliminieren. Ein offener Brief.

Leser/innen: Die Debatte um das generische Maskulinum ist ein Dauerbrenner.

Leser/innen: Die Debatte um das generische Maskulinum ist ein Dauerbrenner.

Feedback

Tragen Sie mit Hinweisen zu diesem Artikel bei oder melden Sie uns Fehler.

Sehr geehrtx Professx Hornscheidt,

Vielen Dank für Ihren Vorschlag, im Deutschen Endungen auf -x (man spricht es offenbar «ix» aus) einzuführen und so geschlechtsneutrale Substantive zu schaffen. Als Journalistx habe ich täglich mit Sprache zu tun und bin deshalb froh, wenn einx Fachx mein Arbeitsinstrument überprüft und verbessert – dies ist sicher auch im Sinn dex Lesex.

Die Debatte um das generische Maskulinum führen Linguistx ja seit den Siebzigerjahren. Seitdem hat eine Reihe von Professx in Studien tatsächlich den Beweis erbracht, dass Hörex sich keine Frauen vorstellen, wenn von «fünf Professoren» die Rede ist, sondern dass sie eben in erster Linie an Männer denken. Hier schafft Ihre neue Endung Abhilfe und schiebt Sexistx einen Riegel vor.

Ja, sogar genustechnische Knacknüsse wie «Mädchen sind die besseren Schüler» lassen sich mit der neuen genderneutralen Endung meistern: «Mädchen sind die besseren Schülex». Und als Alternative zur umständlichen Doppelnennung («Kollegen und Kolleginnen») oder den unpersönlichen geschlechtsneutralen Formen («Studierende, Angestellte, Lehrkraft») ist die x-Endung eine tolle Sache für die einzelnen Sprechex. Denn schliesslich sind auch der Gender Gap («Lehrer_innen») und das Binnen-I («LehrerInnen») keine wirklichen Lösungen für fortschrittliche Zeitgenossx.

Ob sich die neue Endung bei den Verfassex durchsetzt, wird sich zeigen. Es verhält sich damit wohl wie immer beim Sprachwandel: Finden sich ausreichend Bürgex, die gerne Professx oder Studentx genannt werden möchten, dann setzt sich die Form auch durch. Bis dahin fühlt sich dex Lesex allerdings wie in einem Comic von Asterix dex Galliex.

xxx,

Ihrx Philippe Zweifel



Erstellt: 13.05.2014, 08:45 Uhr

Hornscheidts Vorschlag

Lann Hornscheidt, Professorin an der Berliner Humboldt-Universität, will traditionelle Geschlechterrollen in der Sprache aufbrechen. Häufig fühlten sich Studierende diskriminiert, weil sie als «Herr» oder «Frau» angesprochen würden, so Hornscheidt. Die Wissenschaftlerin am Zentrum für transdisziplinäre Geschlechterstudien schlägt vor, etwa von «Professx» statt von «Professor» oder «Professorin» zu sprechen.

Lann Hornscheidt.

Artikel zum Thema

Neue Rechtschreibung: Politik soll Notbremse ziehen

Nach den Sommerferien gilt alte Rechtschreibung in Aufsätzen als Fehler. Sprachpuristen wollen das um jeden Preis verhindern. Sie befürchten eine Klageflut gegen Schulen und Lehrer. Mehr...

«Goethe wäre froh gewesen um unseren heutigen Wortschatz»

Die deutsche Sprache sei im Niedergang, heisst es immer wieder. Schuld seien Schludrigkeit ihrer Sprecher und Dominanz des Englischen. Ein Sprachforscher gibt Entwarnung: Alles halb so schlimm. Mehr...

Die wichtigsten Gender-Debatten des Jahres

Blog Mag Blog Mag Aufklärung, Aufschrei, Aufstieg und nicht zuletzt die angeregte Bestrafung von Freiern: 2013 sind wichtige Wege eingeschlagen worden. Zum Blog

Die Redaktion auf Twitter

Stets informiert und aktuell. Folgen Sie uns auf dem Kurznachrichtendienst.

Service

Ihre Spasskarte

Mit Ihrer Carte Blanche von diversen Vergünstigungen profitieren.

Kommentare

Die Welt in Bildern

Man soll die Feste feiern, wie sie fallen: Menschen in «Txatxus»-Kostümen nehmen am traditionellen ländlichen Karneval in Lantz, Nordspanien, teil. (24. Februar 2020)
(Bild: Villar Lopez) Mehr...