Dieudonné darf nach Nyon zurückkehren

Sechs Mal stand der streitbare Komiker Dieudonné bereits in Nyon auf der Bühne. Trotz umstrittener Gesten darf er wiederkommen. Auch in einem Prozess in Paris verbuchte er einen Erfolg.

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Keine neuen Vorwürfe an den umstrittenen Komiker Dieudonné: In der Schweiz fanden die Stadtbehörden von Nyon VD bei seinen bisherigen Aufführungen keine Anhaltspunkte für die Einreichung einer Klage. In Paris wurde Dieudonné in einem Prozess um ein Video freigesprochen.

Der wegen antisemitischer Äusserungen in der Kritik stehende französisch-kamerunische Komiker Dieudonné M'bala M'bala trat von Montag bis Mittwoch jeweils zweimal pro Abend mit seinem umstrittenen Stück «Asu Zoa» in Nyon auf. Es handelt sich dabei um eine abgeschwächte Version seines Bühnenprogramms «Mur», das in Frankreich wegen Antisemitismus verboten worden war.

Anfang März will Dieudonné für vier weitere Auftritte nach Nyon zurückkehren. Die Ausstellungen sind alle ausgebucht.

Bei seinen bisherigen Auftritten in Nyon zeigte Dieudonné mehrmals seine umstrittene Geste mit den Armen, die sogenannte «Quenelle». Diese erinnert an den Hitler-Gruss, wird von Dieudonné aber als systemkritische Geste bezeichnet.

Kein Material für Klagen

«Es gibt kein Material, um eine Klage gegen Artikel 261 des Strafgesetzbuches (Anstiftung zu rassistischem Hass) zu formulieren», sagte Olivier Mayor, der Kulturverantwortliche der Stadt Nyon, am Freitag auf Anfrage der Nachrichtenagentur sda.

Die Stadt hat das Stück aufgezeichnet. Ausserdem wurden Gewährsleute zu den einzelnen Aufführungen geschickt, um zu überprüfen, dass es seitens des umstrittenen französischen Komikers Dieudonné zu keinen rassistischen Entgleisungen kommt.

Auch die Genfer Koordinationsstelle gegen Antisemitismus und Diffamierung (CICAD) will bis zum jetzigen Zeitpunkt nicht juristisch gegen Dieudonné vorgehen, wie CICAD-Generalsekretär Johanne Gurfinkiel auf Anfrage sagte.

Eine Nacherzählung der Vorstellung habe gezeigt, dass keine problematischen Äusserungen gemacht worden seien und deshalb keine gerichtliche Klage eingereicht werde. «Wir bleiben aber dennoch aufmerksam. Wir werden Dieudonné weiterhin genaustens überwachen», betonte Gurfinkiel.

Umstrittenes Internet-Video

Einen Freispruch gab es für Dieudonné in Paris. Ein Gericht in der französischen Hauptstadt sprach Dieudonné gleichentags in einem Prozess um ein umstrittenes Internet-Video frei. Es urteilte, es könne dem 47-Jährigen nicht nachgewiesen werden, das Video selbst im Internet veröffentlicht zu haben.

Dieudonné waren unter anderem Beleidigung und Verherrlichung eines Tötungsdelikts in der Öffentlichkeit vorgeworfen worden. Die Staatsanwaltschaft hatte eine Geldstrafe von 200 Tagessätzen von jeweils 100 Euro gefordert.

In einem im April 2010 verbreiteten Video hatte Dieudonné unter anderem den Begriff «Shoahnanas» verwendet, mit dem er sich über den Massenmord an den Juden in der NS-Zeit – die Shoah – lustig macht. In dem Video hatte er auch eine «Macht der jüdischen Lobby» angeprangert. Zudem rief er zur Freilassung von Youssouf Fofana auf, der wegen der brutalen Folterung und Ermordung eines Juden im Jahr 2006 in Frankreich eine lebenslange Haftstrafe absitzt.

Geldstrafen von 65'000 Euro nicht beglichen

Dieudonné ist in der Vergangenheit unter anderem wegen antisemitischer und rassistischer Äusserungen zu Geldstrafen von insgesamt 65'000 Euro verurteilt worden. Er hat bislang keine Geldstrafe beglichen. (fko/sda)

Erstellt: 07.02.2014, 22:52 Uhr

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