Dieudonné gründet Partei

Nach den Auftrittsverboten will der französische Komiker Dieudonné M'bala M'bala eine Partei gründen – als Antwort «auf die Lakaien des Jüdischen Weltkongresses».

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Im Januar wurde ihm der Auftritt mit seinem Kabarettprogramm in Frankreich verboten, jetzt gründet er eine Partei: Nach Recherchen eines französischen Onlinemagazins ist der französische Komiker Dieudonné M'bala M'bala damit beschäftigt, eine Partei zu gründen, die sich Nationale Versöhnung (Réconciliation Nationale) nennt. Dieudonné selbst sieht die Parteigründung als Antwort «auf die Lakaien des Jüdischen Weltkongresses», eine «mafiöse und satanistische Organisation», die das oberste französische Verwaltungsgericht im Januar 2014 dazu gebracht habe, ihn mit einem Aufführungsverbot zu belegen.

Beteiligt an Dieudonnés Parteigründung ist Alain Soral, ein französisch-schweizerischer Doppelbürger, der seit mehreren Jahren mit dem verbotenen Komiker befreundet ist und als Essayist wiederholt mit rechtsextremistischen Äusserungen auffällig geworden war. Von 2006 bis 2009 gehörte Soral zudem Jean-Marie Le Pens Front National an, mit dem sich der 56-Jährige nun aber endgültig überwarf, weil Marine Le Pens Berater für internationale Fragen sich «pro Israel» geäussert habe.

«Gleichheit und Versöhnung»

Die neue Partei soll aus einem Verein namens Egalité et Réconciliation (Gleichheit und Versöhnung) hervorgehen, der starken Zuwachs erhalten habe, nachdem Dieudonné Anfang dieses Jahres in Frankreich mit einem Aufführungsverbot belegt worden war. Insgesamt zähle der Verein 12'000 Mitglieder. Das Onlinemagazin «Mediapart», das Dieudonnés Parteigründung publik machte, hat sich die internen Protokolle des Vereins beschafft, der sich im Hinblick auf die Gründung der Nationalen Versöhnung gerade neu organisiert: Aufgrund des starken Mitgliederzuwachses unternehme Egalité et Réconciliation alles, um jede «Infiltration» zu vermeiden. So müssten Sektionsverantwortliche bei jedem neuen Mitglied «vorbeugende Recherchen» durchführen, sich über die familiären und beruflichen Verhältnisse informieren und bei einem Vieraugengespräch überprüfen, ob der Beitrittskandidat die Schriften von Alain Soral kenne.

Für Soral und Dieudonné ist die Gründung der Nationalen Versöhnung nicht der erste Gehversuch auf dem Parkett des Politischen: Bereits 2009 hatten die beiden auf einer «antizionistischen Liste» für die Regionalwahlen der Île-de-France kandidiert – mit bescheidenem Erfolg: Dieudonné und Soral erreichten mit ihrer Liste gerade einmal 1,3 Prozent der Stimmen.

Erstellt: 22.10.2014, 16:34 Uhr

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