Er findet, zu Blocher gehöre ein Nazikreuz

Der Karikaturist Raymond Burki, der in der Westschweiz als Monument gilt, geht in Pension. Er greift Politiker immer wieder frontal an.

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Dieser Abschied wird emotional. Seit 38 Jahren zeichnet Raymond Burki für die Zeitung «24 Heures» Tag für Tag, was Schlagzeilen macht. Die zweite Zeitungsseite gehört ihm. Er bespielt sie mit seinem beissenden Humor. Politiker, die ihm nicht passen, greift er frontal an. Nicht nur einmal. Immer wieder. Selbst nach der Entmachtung – im Fall von Christoph Blocher. Burki sagt, der Zürcher und seine SVP seien Rassisten «pur et dur», das hätten sie mit ihrer «skandalösen Schafplakatkampagne» gezeigt.

Als die Plakate in der Westschweiz auftauchten, entschied Burki: Nun gehört zu Blocher ein Hakenkreuz. Chefredaktor Thierry Meyer ging der Nazivergleich zu weit. Er bat seinen Karikaturisten, auf die Attacke zu verzichten. Doch Burki hatte für dessen Einwände kein Gehör: Er wartete, bis der Chef am Abend die Redaktion verlassen hatte, und machte sich dann mit seinen Caran-d’Ache-Farbstiften ans Werk. Auf seiner Zeichnung hantiert Blocher in einem heimeligen Chalet an einem Hakenkreuz-Spinnrad mit weissem Garn; durch das Fenster in seinem Rücken sieht man ein schwarzes und viele weisse Schafe weiden.

Schweigen ist seine härteste Waffe

Am nächsten Tag las der Chefredaktor seinem Zeichner die Leviten. Burki schwieg. Er ist sich bis heute sicher, der SVP die einzig richtige Antwort gegeben zu haben. Das Schweigen ist ohnehin Burkis härteste Waffe. Die Kritik seiner Zeichnungen unterlegt er nie mit Worten. Die Karikaturistenzunft bewundert ihn dafür. «Das braucht eine ungeheure Disziplin», sagt Patrick Chapatte, der für «Le Temps» und die «NZZ am Sonntag» zeichnet. Er bezeichnet Burki als «ein Waadtländer Monument».

Schon bald ist Schluss. Ende August geht das «Monument» in Pension. Ein kapitaler Abgang für seine Zeitung. Viele Leser dürften «24 Heures» gerade wegen Burki abonniert haben. Die Sammelbände mit seinen besten Zeichnungen des Jahres verkauften sich jeweils zu Tausenden. Chefredaktor Meyer hat scheu nachgefragt, ob er nicht weiter für «24 Heures» arbeiten wolle. Die Antwort kam umgehend: «Nein, ausgeschlossen!»

Zu nett zur Armee

Burki sagt dazu: «Ich mag Leute nicht, die niemals etwas zu Ende bringen.» Dabei sieht er seine Arbeit keineswegs als vollendet an. Mit der Armee sei er immer viel zu gutmütig. Er wolle strenger sein, schaffe es aber nicht. Vielleicht gerade, weil die Armee seinem Leben eine entscheidende Wende gab. Als die Vorgesetzten ihn nach der Rekrutenschule zum Weitermachen zwingen wollten, floh Gebirgs­füsilier Burki von Lausanne nach Paris. Dort geriet er 1968 mitten in die Unruhen. Was er sah und hörte, prägt sein politisches Denken bis heute. Es ist in seinen Zeichnungen unverkennbar: Burki ist Pro-Europäer, Antifaschist, plädiert für einen starken Staat mit gut ausgebauten Sozialwerken und liebt nichts mehr, als über das Kleinbürgerliche herzuziehen.

Folgt der Pensionierung die Leere? Burki schüttelt den Kopf: «Ich werde weiterzeichnen, einfach nicht mehr jeden Tag.» Er habe schon in der Schule Lehrer und Mitschüler karikiert. Er könne gar nicht anders. (Tagesanzeiger.ch/Newsnet)

Erstellt: 23.07.2014, 23:04 Uhr

Raymond Burki. (Sabine Papilloud)

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