Frauen räumen beim Swiss Press Award ab

Gleich drei der vier Hauptpreise gingen an Journalistinnen. Bundesrätin Sommaruga äusserte in ihrer Ansprache kritisch über Online-Medien.

Wurde für ihr Lebenswerk ausgezeichnet: Die Zürcher Journalistin Margrit Sprecher. (27. April 2016)

Wurde für ihr Lebenswerk ausgezeichnet: Die Zürcher Journalistin Margrit Sprecher. (27. April 2016) Bild: Alessandro della Valle/Keystone

Feedback

Tragen Sie mit Hinweisen zu diesem Artikel bei oder melden Sie uns Fehler.

Beim diesjährigen Swiss Press Award für Lokaljournalismus gewannen Journalistinnen drei der vier Hauptpreise, nämlich in den Kategorien Print, Online und Fernsehen. Der vierte Hauptpreis ging an einen Journalisten des Schweizer Radio SRF.

Bundesrätin Simonetta Sommaruga sagte in ihrer Ansprache zur Preisübergabe, dass Journalismus für eine freie demokratische Gesellschaft unverzichtbar sei. Allerdings äusserte sie auch kritische Gedanken über Online-Medien.

Gewinner von Print und Online

Mit dem ersten Preis im Bereich Print ausgezeichnet wurde am Mittwochabend Sophie Roselli von der Zeitung «Tribune de Genève» für einen Artikel über Jugendliche auf Jihad-Abwegen. Roselli befragte für ihren Bericht Polizisten, Islamkenner, Moscheevertreter und Gläubige zu ihrer Verantwortung.

Den ersten Preis in der Kategorie Online erhielt Anetka Mühlemann von 24heures.ch für eine Reportage über einen der letzten Waadtländer Schindelmacher. Texte, Fotos und Videos seien zu einem reichhaltigen Werk zusammengestellt worden, an dem ein ganzes Produktionsteam mitgearbeitet habe, heisst es in der Begründung.

Fernsehen und Radio

Bei den Videobeiträgen schaffte es Prisca Häberli von TeleBärn News mit einer mehrteiligen Reportage zum Thema Mobbing an der Schule Roggwil auf den ersten Platz. Der Schulleiter musste als Folge der Berichterstattung schliesslich den Hut nehmen.

Als einziger Mann zu Ehren kam Matieu Klee vom Regionaljournal Basel von Schweizer Radio SRF. Er hatte in einem Radiobeitrag aufgedeckt, dass die Kontrollstelle für Schwarzarbeit im Kanton Basel-Landschaft mit öffentlichen Geldern schummelte, indem sie viel mehr Subventionen einstrich, als Löhne für Kontrolleure ausgezahlt wurden.

Preis für Tschernobyl-Reportage

Neben Lokaljournalisten wurde dieses Jahr zum zweiten Mal unter dem Titel Swiss Press Awards auch ein Pressefotograf ausgezeichnet. Die höchste Auszeichnung dieser Kategorie ging an Niels Ackermann für eine Fotoserie über ein junges Paar, das gleich ausserhalb der Sperrzone bei Tschernobyl lebt. Erschienen sind die Bilder in den Zeitschriften «Das Magazin» und «L'Hebdo» sowie in den Zeitungen «Le Temps» und «Sonntags Zeitung».

Für ihr Lebenswerk ausgezeichnet wurde Margrit Sprecher, wie schon im Februar bekannt worden war. Die Journalistin habe mit vielen Reportagen und Texten den deutschsprachigen Journalismus massgeblich beeinflusst, begründete die Fondation Reinhardt von Graffenried den Preis.

Mit den Preisen für Lokaljournalismus Print, Online, Radio und TV und dem Swiss Press Photo ehrt die Stiftung Medienschaffende, die im Lokaljournalismus und in der Pressefotografie in der Schweiz eine besondere Leistung erbracht haben.

Sommaruga kritisiert überschnelle Onlinemedien

Festrednerin an der Preisverleihung im Berner Hotel Bellevue Palace war Bundesrätin Simonetta Sommaruga. Die Arbeit von Medienschaffenden sei von grösster Bedeutung für die Gesellschaft, betonte sie. Gewisse Entwicklungen, etwa den Umgang mit Online-Tickern, beurteilt sie allerdings kritisch.

«Wenn bei Pressekonferenzen im Online-Ticker über komplexe politische Geschäfte berichtet wird, dann bin ich mir nicht sicher, ob es sich dabei um technologischen Fortschritt oder journalistischen Rückschritt handelt», sagte die Justizministerin gemäss Redetext.

Zu schrille Schlagzeilen

Wenn Analysen zu wichtigen Regierungsbeschlüssen online bereits zehn Minuten nach einer Pressekonferenz erschienen, dann frage sie sich staunend, wie man in zehn Minuten gleichzeitig nachdenken, hinterfragen, überprüfen und einordnen könne.

Sommaruga warnte auch vor der Entwicklung, dass Schlagzeilen oft nur noch wenig mit dem Inhalt der Artikel zu tun hätten. Dies sei kein neues Phänomen, aber es ergreife «mehr und mehr auch Medien, die früher strengere Massstäbe ansetzten.»

Lob für die Panama-Papers

An der Preisverleihung wolle sie die journalistische Qualität aber in erster Linie würdigen und nicht hinterfragen, sagte die Bundesrätin. Journalismus sei auch im Internetzeitalter absolut unverzichtbar für jede freie demokratische Gesellschaft. Dies zeigten die Panama-Papers in spektakulärer Weise. (mch/sda)

Erstellt: 27.04.2016, 21:38 Uhr

Artikel zum Thema

Newsnet-Reportage gewinnt Swiss Press Award

Die Multimedia-Reportage «Happy End – Das Ende einer glücklichen Sau» von Helmut Wachter gewinnt einen Swiss Press Award. Fotograf des Jahres wird Yvain Genevay mit seiner Bildserie über eine Flüchtlingsfamilie. Mehr...

Zum «rechten Menschen» gehört die Ordnung

Die frühere Erziehungsanstalt Landorf bei Bern gilt heute als Beispiel für die unmenschliche Behandlung von Kindern. Der Heimleiter war mein Grossvater. Exkursion in eine Zeit des pädagogischen Umbruchs. Mehr...

Trost, Glanz und Bühnenlicht

Die Zürcher Fotografin Rita Palanikumar porträtierte das Ensemble des Zürcher Schauspielhauses. Die Bilder zeigen einen Akt der Befreiung – und sind als Plakate nun in einer Ausstellung zu sehen. Mehr...

Die Redaktion auf Twitter

Stets informiert und aktuell. Folgen Sie uns auf dem Kurznachrichtendienst.

Weiterbildung

Gamen in der Schule

Die Schule bereitet Kinder auf die Arbeitswelt vor. Das Rüstzeug soll auch spielerisch vermittelt werden.

Kommentare

Blogs

Mamablog Wie binär denken unsere Kinder?

Geldblog Wie Rentner einfacher zu Hypotheken kommen

Die Welt in Bildern

Haar um Haar: Was aussieht wie die Nahaufnahme eines Blütenstandes sind tatsächlich Rasierpinsel aus Dachshaar. Sie stehen bei einem Pinselhersteller im bayerischen Bechhofen. (25. September 2018)
(Bild: Daniel Karmann/dpa) Mehr...