Friedenspreis für Cybernerd

Der Friedenspreis des Deutschen Buchhandels geht an Jaron Lanier. Mit dem Vater des Begriffs der «virtuellen Realität», werde ein «Pionier der digitalen Welt» geehrt, schreibt die Jury.

Hat sich auch als Musiker einen Namen gemacht: Jaron Lanier am Montreux Jazz-Festival (4. Juli 1998).

Hat sich auch als Musiker einen Namen gemacht: Jaron Lanier am Montreux Jazz-Festival (4. Juli 1998). Bild: Keystone

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Der Informatiker und Schriftsteller Jaron Lanier wird in diesem Jahr mit dem Friedenspreis des Deutschen Buchhandels ausgezeichnet. Das gab der Vorsteher des Börsenvereins des Deutschen Buchhandels, Heinrich Riethmüller, am Donnerstag in Berlin bekannt. Der 54-jährige US-Bürger Lanier gilt als Internet-Pionier und Vater des Begriffs «virtuelle Realität». Der renommierte Friedenspreis wird ihm im Oktober während der Frankfurter Buchmesse verliehen.

Mit Lanier werde ein «Pionier der digitalen Welt» geehrt, «der erkannt hat, welche Risiken diese für die freie Lebensgestaltung eines jeden Menschen birgt», begründete die Jury ihre Entscheidung. Eindringlich weise Lanier auf die Gefahren hin, «die unserer offenen Gesellschaft drohen, wenn ihr die Macht der Gestaltung entzogen wird und wenn Menschen, trotz eines Gewinns an Vielfalt und Freiheit, auf digitale Kategorien reduziert werden».

Der erste Avatar

Jaron Lanier war der Initiator für die Entwicklung von internet-basierten Computernetzwerken und hat virtuelle Kameras, 3D-Grafiken für Kinofilme und den ersten Avatar, einen künstlichen Stellvertreter für eine reale Person in der virtuellen Welt, konstruiert. Ab dem Jahr 2000 setzte sich Lanier in Publikationen verstärkt mit den negativen Entwicklungen in der Digitalen Welt auseinander. Darüber hinaus hat er sich als Musiker, Komponist und bildender Künstler einen Namen gemacht.

Heute arbeitet Lanier, der bereits mit zwei Ehrendoktortiteln ausgezeichnet wurde, als Forscher für Microsoft Research und leitet ein Projekt mehrerer Universitäten zur Erforschung des «Internets 2». Lanier erhielt 2001 den CMU’s Watson Award sowie 2009 den Lifetime Career Award der IEEE, dem weltweit grössten Berufsverband für Ingenieure. Für sein neuestes Buch «Wem gehört die Zukunft?» verlieh ihm die Harvard University den diesjährigen Goldsmith Book Prize.

(lri/AFP)

Erstellt: 05.06.2014, 14:46 Uhr

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