Gölä und Glencore

Das Eidgenössische in Zug wird gigantisch. Für einen alten Brauch hats allerdings keinen Platz mehr.

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Er wolle den Hornussern nicht nahe treten, sagt Heinz Tännler, OK-Präsident des Eidgenössischen in Zug – um dann festzuhalten: Das «zentrale Ereignis eines Eidgenössischen Schwingfests» sei das Schwingen. Das Fest findet vom 23. bis 25. August statt.

In Zug hat es dieses Jahr keinen Platz mehr für das Hornussen. Für jenen ziemlich alten, recht speziellen Brauch also, bei dem Schindeln gen Himmel steigen, auf dass von ebendiesem der heranfliegende «Nouss» herunterfalle.

Er bedauere das Fehlen der Hornusser, sagt Tännler. Aber es habe sich im Kanton Zug kein freies Feld dafür finden lassen. Dass die Hornusser nur noch Zaungäste sind, hat nicht zuletzt mit dem Eidgenössischen Schwingerverband zu tun: Dieser nahm die Veranstaltung eines Hornusserfests vor neun Jahren aus dem Pflichtenheft der Organisatoren. Bis dahin durfte kein Eidgenössisches veranstalten, wer nicht Platz für die Hornusser freiräumte.

Von Sponsoren abhängig

Aus wirtschaftlicher Sicht ist die Lockerung des Reglements nachvollziehbar. Das Hornussen benötigt eine Fläche von einem halben Hektar Land und zieht relativ wenige Zuschauer an. Eine Studie aus dem Jahr 2014 zeigt, dass am Eidgenössischen in Burgdorf keine fünf Prozent der Besucher sich das Hornussen angeschaut haben.

Zudem müssen die Organisatoren heute eine weit grössere Besuchermenge bewältigen als noch in den 1990ern. Und sie müssen auf die Ansprüche der Sponsoren Rücksicht nehmen: Ohne deren Millionen sind die Eidgenössischen in ihrer heutigen, gigantischen Form nicht mehr finanzierbar. Die Liste der Festivalsponsoren reicht mittlerweile von der Kantonalbank bis Glencore.

Und das Schwingen wächst weiter. Das Eidgenössische in Zug dürfte das bisher grösste Schwingfest werden, 350'000 Zuschauer werden erwartet. Nächsten Mittwoch werden die Schwingfunktionäre erklären, wann sie die letzten freien Tickets in den Handel geben – sie dürften innert weniger Minuten, wenn nicht Sekunden Käufer finden.

Lo & Leduc sind auch da

Für Hornussen hats keinen Platz in Zug, dafür für anderes. Zum Beispiel für eine Musikbühne, auf der etwa die supererfolgreichen Lo & Leduc («079») auftreten. Zum Schwingen hätten sie nicht wirklich einen Bezug, lassen die Mundart-Rapper ausrichten. Ob das Finanzielle eine Rolle gespielt habe? Lo & Leduc, schnippisch: «Nein, auf gar keinen Fall. Wir spielen unsere Open-Air-Tour mit zwanzig Leuten im Team gratis – wie immer, eigentlich.»

Einen besonders prominenten Auftritt wird Büezerrocker Gölä bekommen. Mit seinem Buddy Trauffer tritt er am Sonntag auf – vor der Rede von Bundespräsident Ueli Maurer, mitten im Stadion. An jenem Ort also, der vielen Traditionalisten als heilig gilt, und der noch von Werbeshows und Plakaten freigehalten wird. OK-Präsident Tännler sagt, Gölä und Trauffer sängen den offiziellen Festivalsong, es sei daher keine Werbung.

Tännler hat den Song schon gehört, er gefällt ihm «ausserordentlich gut»: «Der Auftritt von Gölä und Trauffer wird ein Highlight des Eidgenössischen.» Initiiert wurde der Song laut Tännler übrigens vom Schweizer Fernsehen, das einen Soundtrack für seine TV-Übertragung gebraucht habe. Es werde Schnipsel des Songs in seiner Liveshow immer wieder einspielen.

Hoffen auf Pratteln

Zwei Trends werden sich mit dem Eidgenössischen in Zug verstärken. Zum einen jener der Kommerzialisierung des Schwingens, das Budget des Fests ist mit 36,5 Millionen Franken so gross wie nie zuvor. Zum andern geht das Brauchtums- und Disziplinensterben weiter, in Zug 2019 existiert nur noch das Steinstossen neben dem Schwingen.

Und die Hornusser? «Natürlich hätten wir gern ein Hornussen veranstaltet in Zug, aber das OK hat sich von Anfang an dagegen ausgesprochen», sagt Bruno Ryser, der die Geschäftsstelle des Hornusserverbands leitet. Für das Eidgenössische in Pratteln 2022 rechnet Ryser hingegen wieder mit einer Zulassung: Sehr früh habe man mit den Organisatoren Kontakt aufgenommen, das Hornussen sei dann wieder eingeplant.

Erstellt: 11.05.2019, 20:36 Uhr

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