Replik

Her mit dem Keuschheitsgürtel

Ist die «Marke Mann» ein Auslaufmodell? Oder ist es eher die Tendenz, die eigenen moralischen Vorstellungen von korrekter Lebensführung als für alle verbindlich zu betrachten? Eine Replik.

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Die «Marke Mann», so war vor ein paar Tagen auf dieser Seite zu lesen, habe einen irreparablen Schaden erlitten. Schuld daran seien all die prominenten Mannsbilder, die in jüngster Zeit zu reden geben. Vor allem Arnold Schwarzenegger hat es der Autorin angetan. Ihm mangle es nämlich nicht nur an der gebotenen Treue, sondern auch am richtigen Untreue-Stil, obschon nicht klar wird, wie man denn nun in-style betrügt. Fest steht, dass der Ex-Terminator, Ex-Gouverneur und bald Ex-Ehemann sich in eine lange Liste von Männern reiht, die mit Untreue, Sexskandalen und ihrem Umgang mit Frauen von sich reden machten, wie Strauss-Kahn und Berlusconi.

Alle in einen Topf

Kühn wirft die Autorin all diese Fälle in einen Topf, um naserümpfend das typisch männliche Verhalten anzuprangern. Diese Männer glaubten, das Etikett Frauenheld würde sie noch potenter, attraktiver und mächtiger erscheinen lassen, heisst es da. Doch haben es ein Strauss-Kahn oder ein Berlusconi darauf abgesehen, erwischt zu werden, um ihr Ansehen zu steigern? Und kann man diese Fälle eigentlich miteinander vergleichen? Strauss-Kahn und Berlusconi haben mit ihrem Verhalten mutmasslich das Gesetz gebrochen, was geahndet gehört. Schwarzenegger aber hat einfach moralisch versagt – genau so wie vor ihm schon ganz viele andere Männer. Frauen übrigens auch. Haben diese deswegen vielleicht die Marke Frau torpediert? Oder erledigt das bei den Frauen eher der Typ Playmate?

Ich kann weder mit Arnold Schwarzenegger noch mit solchen Moraltiraden viel anfangen. Wenn jemand seine moralischen Überzeugungen zum Gesetz erklärt und Strafgericht über jene hält, die ihnen nicht entsprechen, geht in meinem Kopf der Talibanalarm los. Frauen dürfen nicht in der Öffentlichkeit lachen. Frauen sollen zu Hause bleiben. Her mit dem Keuschheitsgürtel. Nur diesmal für die Männer, die über dem Zaun grasen. Und wer sich nicht daran hält, muss mit allem rechnen. Etwa vorgeführt zu werden wie Kachelmann. Obschon während des Prozesses schwere Zweifel an der Glaubwürdigkeit der Klägerin auftauchten, wurde er nicht geschont und Alice Schwarzer nicht müde, sich über die sexuellen Vorlieben des Wettermoderators zu empören. Fazit: So einer ist ein Schwein und selbst wenn er unschuldig sein sollte, hat er die Behandlung verdient.

Nicht im Schritt

«Die moderne Frau begegnet Männern auf Augenhöhe und nicht mit dem Schritt», heisst es weiter. Gut. Dann frage ich mich aber, warum Typen wie Strauss-Kahn plötzlich die Hauptexponenten der Marke Mann sein sollen und nicht all jene Männer, die sich für Gleichberechtigung einsetzen, weil sie genau dies eingesehen haben: Mann und Frau sollen sich auf Augenhöhe begegnen. Wer angesichts dieser weit verbreiteten Bemühungen stur weiter aus dem Gender-Schützengraben gegen das andere Geschlecht schiesst, verhärtet nur die Fronten. Am Ende des Tages sind wir einfach Menschen mit individuellen Vorlieben und Abneigungen, mit Stärken und Schwächen, die übrigens schön gleichmässig über beide Geschlechter verteilt sind. Auf dieser Basis kann man zusammen auch die moralischen Richtlinien aushandeln, nach denen man zusammen leben will. Ob dies gelingt oder nicht und wie das Fehlverhalten zu beurteilen ist, sollte Sache der Beteiligten und nicht die eines Gender-Gerichts sein, das seine ganz persönlichen Vorstellungen zur Norm erklären möchte. Sonst tragen wir am Schluss alle einen irreparablen Schaden davon.

Erstellt: 24.05.2011, 14:11 Uhr

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