Hitler und die Deutschen

Das Deutsche Historische Museum in Berlin zeigt die erste grosse Ausstellung zur Wahrnehmung Adolf Hitlers im Volk. Wie heikel ist die Schau?

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Das Deutsche Historische Museum in Berlin zeigt eine Ausstellung, die in ähnlicher Form noch vor sechs Jahren abgelehnt worden war. Die Schau rückt die Person Adolf Hitler und sein Verhältnis zu den Deutschen in den Mittelpunkt. In «Hitler und die Deutschen. Volksgemeinschaft und Verbrechen» werde erstmals ernsthaft der Frage nachgegangen, warum Hitler die Deutschen so fasziniert habe, sagte Kuratorin Simone Erpel am Montag.

Dass die Ausstellung mit ihren Hakenkreuzen und Propagandafilmen Rechtsradikale oder Neonazis anlocken könnte, befürchten die Organisatoren nicht. Man gehe «mit einer kritischen Distanz» mit den Objekten um, sagte Erpel. «Wir heroisieren Hitler nicht.»

«Zu sehr personalisiert»

Vor sechs Jahren war ein Ausstellungskonzept im wichtigsten Geschichtsmuseum Deutschlands unter dem Titel «Hitler und das NS- Regime» noch abgelehnt worden, weil es zu sehr personalisiert erschien. Die jetzige Schau solle Zuschauer in die Lage versetzen, sich ein eigenes Bild vom «Führer» zu machen, sagte die Kuratorin. Erst 2004 sei es hierzulande auch filmisch möglich geworden, über Hitler zu erzählen, durch Oliver Hirschbiegels «Der Untergang». Hitler selbst habe zu seinen Lebzeiten keine erzählerische Darstellung zugelassen. «An diesem Nimbus ist jahrzehntelang nicht gerührt worden», meinte Erpel.

In Deutschland sei es zwar nicht tabuisiert gewesen, sich mit Hitler und dem Nationalsozialismus zu beschäftigen. Die Visualisierung seiner Person sei aber durchaus problematisch geblieben. So zeige beispielsweise die viel beachtete Hitler-Biografie des britischen Historikers Ian Kershaw in der deutschen Ausgabe nicht sein Konterfei – im Gegensatz zur englischen.

Keine Originaluniform

Völlig enttabuisiert ist die Darstellung Hitlers auch heute noch nicht möglich. Im staatlichen Museum Moskau werde beispielsweise eine Originaluniform gezeigt. Sie sei als Leihgabe aber nicht infrage gekommen, erzählte Erpel. «Etwas, was Hitler getragen hat, und sei es nur zweimal, könnte zu einem Fetisch werden.»

Es sei von vornherein klar gewesen, dass eine Biografie-Ausstellung nicht zu machen sei. Deshalb gehe es jetzt mehr um eine Gesellschaftsgeschichte des Nationalsozialismus, meinte die Kuratorin. «Da interessiert das Wechselverhältnis von Hitler und den Deutschen.» Bislang seien in Ausstellungen eher spezielle Aspekte wie Konsum oder Kunst und Propaganda beleuchtet worden. Die Frage nach Hitlers Wirkung werde nun nicht mehr verteufelt. Zugleich stellte Erpel aber klar: «Diejenigen, die mit der Erwartung einer Hitler-Ausstellung reingehen, werden enttäuscht sein.» (standard.at)

Erstellt: 13.10.2010, 15:03 Uhr

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