Ich bin vernetzt und zeige es

Ans WEF geht man, um sich auszutauschen. Oder doch nicht? TA-Fotograf Urs Jaudas war letztes Jahr mittendrin.

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Kommenden Mittwoch geht es wieder los in Davos. François Hollande soll auf der Gästeliste stehen, ebenso Google-Manager Eric Schmidt und Weltbank-Chef Jim Yong Kim, und auch sonst wird zusammenströmen, was in Politik und/oder Wirtschaft Rang und Namen hat und die Macht, Milliarden mit perfekt manikürten Händen zu verschieben. Ein hermetisch abgeriegeltes, medial durchleuchtetes Stelldichein der Mächtigen (und vereinzelter, geladener Ohnmächtiger) ist das – mit der selbst auferlegten Mission, innerhalb von fünf Tagen nichts weniger als «die Welt zu verbessern».

So weit, so bekannt. Doch was ist das WEF darüber hinaus? Zum einen eine Art Schlaraffenland für Bilderjäger, wie TA-Fotograf Urs Jaudas weiss. 2013 war er das erste Mal mit der Kamera dabei; aber erst 2014 hatte er sich an die schiere Flut von VIPs gewöhnt und daran, dass man sein Objektiv auf jeden richten kann, ohne dass sich ein bulliger Aufpasser dazwischenschiebt – man ist ja unter sich. Zum anderen, denkt man beim Betrachten von Jaudas’ Bildern, ein einzig- wie eigenartiges Top-End-Klassenlager für grosse, finanzstarke Kinder; ein Hybrid aus Warteraum, Vorlesungssaal und Bankett, wo Massanzüge und Deuxpièces, kilometerweise Kabel auf Spannteppich und Tausende von Hors­d’œuvres zu einer riesigen Maschinerie verschmelzen. Seltsam ist bloss: Da kommen sie zusammen, um sich auszutauschen – und sind dann doch nur halb anwesend. Weil sich die andere Hälfte permanent in inniger Interaktion mit dem Smartphone, dem Tablet, dem Laptop befindet. Oder meist mit alldem zugleich. Es mag dies das Zeitalter der unbeschränkten Möglichkeiten sein – das der uneingeschränkten Aufmerksamkeit ist es definitiv nicht. Das Vor-sich-hin-Kommunizieren ist über uns gekommen wie eine Seuche, ausgelöst von der Pandemie des Ständig-erreichbar-Seins.

Und wer glaubt, immun zu sein, wird diskret aus dem System ausgeschieden. Schneller, als ein Tweet hinausgezwitschert ist. (psz)

Erstellt: 16.01.2015, 18:29 Uhr

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