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Das Stadtmuseum Aarau wartet mit einer überzeugenden Game-Ausstellung auf.

Eine Fülle an Spielen: Rundgang durch die Ausstellung. (Video: Sarah Fluck)

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Rechnende Räume, gamende Götter: Leben wir alle in einem Computerprogramm? Die Vermutung gibts schon länger, der Film «Matrix» brachte die Idee vor zwanzig Jahren ins Kino. Und Tesla-Boss Elon Musk stellte unlängst fest, wir steckten wohl alle in einem Game. «Play», die neue Ausstellung des Stadtmuseums Aarau, realisiert die Idee. Der Besucher muss sich aus einer gehackten Software befreien, von Posten zu Posten arbeitet er sich durch die Ausstellung. Chattet mit einem Bot, stöpselt USB-Stecker ein, merkt sich einen Code.

Angeleitet wird man per Video von zwei Schauspielern. Diese hätten wohl lieber «Kabale und Liebe» gespielt und scheitern übel beim Versuch, Nerds zu mimen. Gestelztes Bühnendeutsch, angestrengte Fluffigkeit – leider müffelts da nach Theaterpädagogik. Und das ausgerechnet in einer Ausstellung, die ansonsten ganz auf der Höhe der Zeit ist.

Wer nicht spielt, wird angesprochen

Deren Qualitäten erkennt, wer die digitale Schnitzeljagd absolviert hat, wenn der Tunnelblick dem Schweifen weicht. Auf Holz-Staffeleien reihen sich die wichtigen Trends der Computerspielkunst. Eine Ecke ist reserviert für die Augmented Reality. Für die teilweise virtuelle Überlagerung konkreter Realität also, die sich gerade gegenüber der Virtual Reality, der vollumfänglichen Virtualität, durchzusetzen scheint. Plakate erklären die Gamergate-Debatte von 2014, die den Sexismus vieler Gamer und Games entlarvte. In einem weiteren Raum befinden sich die Kostbarkeiten der Schweizer Entwickler.

Nebst gründlicher Wissensvermittlung zeichnet sich «Play» – der Name ist Programm – durch grosse Spielfreude aus. Überall stehen Tablets, Tastaturen und Controller griffbereit. Die Fülle an Games ist derart herrlich und gross, dass der Strom im Museum offenbar ab und zu knapp wird. Wer länger nicht spielt, wird von einem Aufseher angesprochen und beraten. Hier findet jeder sein Spiel, sind die Ausstellungsmacher überzeugt, und sie haben völlig recht.

Gewitzt konzipiert ist die Bar, an der Hackspiele wie «Tekken» ausgehändigt werden, eben als wärs gefährlicher Alkohol. Kinder bekommen sowas hier nicht in die Finger. Apropos: Gerade Familien empfiehlt sich der Besuch von «Play». Denn die Ausstellung schafft eine Atmosphäre, in der Suchtsog und andere Gefahren beredet werden können; davor und danach spielt man gemeinsam. «Play» ist ein Update, das wir alle prima gebrauchen können.

«Play», Stadtmuseum Aarau, bis 7. Juli 2019 (Tages-Anzeiger)

Erstellt: 14.09.2018, 13:12 Uhr

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Blick in die «Play»-Ausstellung.

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