Köppel und das «Naturgesetz» der Liebe

Der Mann ist triebgesteuert, die Frau will begehrt werden: Wenn der «Weltwoche»-Chef nach Gerigate über Grundsätzliches schreibt, ist eine heftige Debatte nicht weit.

Schreibt in gewohnt provokativer Art über Mann und Frau: Roger Köppel. (Archivbild 2013)

Schreibt in gewohnt provokativer Art über Mann und Frau: Roger Köppel. (Archivbild 2013) Bild: Keystone

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Die Nacktselfie-Affäre um Geri Müller warf nicht nur Fragen auf über die Trennung von Privatsphäre und Beruf und die Rolle der Medien, sie hat seit kurzem auch eine gendertheoretische Dimension erhalten. Ausgelöst hat sie «Weltwoche»-Chefredaktor und -Verleger Roger Köppel: In der jüngsten Ausgabe seiner Zeitung ruft er zur Toleranz gegenüber Männern auf, die ihrem Trieb zum Opfer fallen – und spielt damit, ganz ohne einen Namen zu nennen, natürlich auf das Gerigate an.

Der begehrende Mann sei nicht mehr zurechnungsfähig und verwundbar, schreibt Köppel, die Frau dagegen ziehe aus den Umwerbungen des Mannes Zufriedenheit und Selbstvertrauen, ja gar ihre Existenzberechtigung. Wird die Frau allerdings enttäuscht, reagiere sie irrational und zerstörerisch. Dies, so Köppel, sei ein Naturgesetz: Der Mann müsse gemäss seinem Trieb begehren, die Frau – man dürfe es ihr nicht übel nehmen – setze alles daran, begehrt zu werden.

«Kann ja mal passieren»

Köppels Sicht auf Rollenbilder und die «Höllenmacht Liebe» rief zahlreiche Reaktionen auf Social Media hervor. Vielfach gab es Häme: «Ihnen und Ihren Leidensgenossen empfehle ich, sich (…) zu emanzipieren (…) aus ihrer Leibeigenschaft», schrieb eine Userin in der «Weltwoche»-Kommentarspalte. Und fügte an: «Vielleicht haben Sie versehentlich irgendein Pamphlet von vor 1900 hier hineinkopiert. Kann ja mal passieren!»

«Mütter, warnt eure Söhne vor den bösen Frauen!», schrieb Corine Turrini Flury derweil auf Twitter. Ebendort erhielt Köppel von Journalist Simon Widmer den Übernamen «Rosamunde Köppel». Und Stefan Plöchinger, Mitglied der Chefredaktion der «Süddeutschen Zeitung», demonstrierte die Austauschbarkeit der Rollenbilder, indem er bei Köppels Text die Geschlechter austauschte.

Zustimmung erhielt Köppel vorwiegend im «Weltwoche»-Forum. «Da schreibt ein erfahrener, reifer Mann», fand ein User. «Genau auf den Punkt gebracht», ein anderer. Allerdings herrschte mancherorts Unsicherheit darüber, ob sich Köppel mit seiner Analyse nicht einzig den medialen Aufschrei zum Ziel setzte. Auf Facebook etwa beginnt ein User zu glauben, «dass es Roger Köppel einzig und allein um die provokative Wirkung geht».

Was denken Sie? Spricht Roger Köppel einen zentralen Punkt in der Affäre Geri Müller an, oder ist sein Kommentar reine Provokation? Meinungen bitte unten eintragen. (lri)

Erstellt: 05.09.2014, 14:43 Uhr

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