Millionenteure «Hobbit»-Verfilmung droht zu scheitern

Der Filmgigant MGM steckt in der Krise. Nun hat sich Starregisseur Guillermo del Toro aus dem Megaprojekt «Der kleine Hobbit» zurückgezogen.

Guillermo del Toro: Dem bekannten Regisseur wurden die ewigen Verzögerungen bei MGM zu viel.

Guillermo del Toro: Dem bekannten Regisseur wurden die ewigen Verzögerungen bei MGM zu viel. Bild: Keystone

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Guillermo del Toro hat die Konsequenzen gezogen: Nachdem es bei der Tolkien-Verfilmung «Der kleine Hobbit» immer wieder Verzögerungen gab, hat der Starregisseur endgültig genug. Vor zwei Jahren nahm del Toro seine Tätigkeit bei dem millionenschweren Projekt auf. Und obwohl die Planung laut dem Filmemacher schon weit fortgeschritten ist, zögerte die zuständige Produktionsfirma MGM den Drehbeginn bisher immer wieder hinaus. Der Weggang des bekannten Regisseurs ist ein herber Verlust für MGM. Auch der zuständige Produzent Peter Jackson teilt die Verärgerung del Toros. Es sei fraglich, ob das Projekt überhaupt noch verwirklicht werden könne.

Die Notbremse zu spät gezogen?

Nicht zum ersten Mal gerät MGM auf diese Weise negativ in die Schlagzeilen. So wurden kürzlich auch die Dreharbeiten zum neuen James-Bond-Film auf unbestimmte Zeit eingestellt. Schuld an dem Debakel sind die Finanzprobleme des Filmkonzerns MGM. Von verschiedenen Seiten wird laut, dass der Filmriese Hollywoods praktisch am Ende sei. Hochverschuldet produzierte MGM immer weiter und trat erst jetzt auf die Notbremse. Wohl zu spät – der Schuldenberg beträgt inzwischen mehr als 3.7 Milliarden Dollar.

Es ist nicht neu, dass die Filmbranche in einer Krise steckt. Paramount verschob letztes Jahr aus Geldnot ebenfalls verschiedene Projekte, wie beispielsweise den Film «Shutter Island», der eigentlich schon viel früher in die Kinos kommen sollte. Auch die Warner Bros. Studios sorgten mit einem gewaltigen Stellenabbau im Januar 2010 für einen Aufschrei in Hollywood. Walt Disney hatte 2009 ebenfalls gewaltige finanzielle Probleme. Gerade die letzten zwei krisengebeutelten Jahre führten dazu, dass kaum ein Filmstudio noch schwarze Zahlen schrieb. Inzwischen hat sich die Lage zwar etwas gebessert und die meisten der betroffenen Filmriesen rappeln sich Schritt für Schritt wieder auf. Doch dass sie je wieder den ehemaligen prestigeträchtigen Status zurückgewinnen können, ist zu bezweifeln. Das glamouröse Hollywood von früher scheint sich langsam aber sicher zu verabschieden.

Die Zerstückelung der Filmstudios

Dass es schon länger Probleme gibt in der Welt Hollywoods, zeigt auch die Zerstückelung der ehemals grossen US-Filmstudios. Längst sind sie auf riesige Medienkonzerne verteilt worden. Universal Studios gehört Comcast, 20th Century Fox ist unter die Fittiche von Rupert Murdochs News Corp. geraten, Paramount ist Viacom unterworfen, die Warner Bros. Studios gehören zu Time Warner und Columbia zu Sony. Finanzinvestoren haben das Sagen, Traditionen werden immer mehr zur Nebensache.

MGM ist als letzter grosser unabhängiger Vertreter des früheren Studiosystems übrig geblieben. Doch auch diese Ära wird wohl nun in absehbarer Zeit ein jähes Ende finden.

Erstellt: 01.06.2010, 15:29 Uhr

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