Interview

«Mondäner Lebensstil mit einem Hauch Erotik»

Wieso findet der skurrile Werbeclip «Supergeil» für eine deutsche Supermarktkette weltweite Beachtung? Die Werbeagentur verrät im Interview das Erfolgsrezept.

«Geile Uschi, geile Muschi, geiles Sushi, supergeil»: Edeka-Viralwerbung mit Friedrich Liechtenstein.


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Frau Weber, Ihr Clip wird sogar in amerikanischen Feuilletons besprochen – wie erklären Sie sich das?
Sowohl der Song als auch Hauptdarsteller Friedrich Liechtenstein treffen den Bauch. Buzzfeed titelte zum Clip: «Swag is universal» (Coolness ist universell). Das trifft es sehr gut.

Auf dem Intellektuellen-Portal Slate.com wird der Clip als «typisch deutsche Mischung aus blasierter Sexualität und mondänem Lebensstil» interpretiert. Wie sehen Sie das?
Das schmeichelt uns Deutschen ungemein. Obwohl ich es eher als mondänen Lebensstil mit einem Hauch Erotik beschreiben würde.

Brauchte es viel Überzeugungsarbeit, den Song den Marketingleuten von Edeka schmackhaft zu machen?
Nein. Der Kunde kommentierte die Idee in der Präsentation mit den Worten «Supergeil! Machen!». Ab diesem Moment konzipierten wir die Kampagne Hand in Hand. Viel Input lieferte auch der Berliner Musiker des Originalsongs, Jakob Grunert, mit dem wir auch das Video gedreht haben.

Der Song ist ziemlich anspruchsvoll, düster, Dubstep halt. War man sich der Musik von Beginn weg sicher?
Ja, denn der Song hat durch die Monotonie etwas sehr Merkfähiges.

Was ist das Ziel der Kampagne?
Erdacht wurde die Kampagne eigentlich zur Bewerbung der Edeka-Eigenmarken. «Supergeil» ist aber auch Imagekampagne.

An wen richtet sich der Clip?
Nicht nur an die schubladentypische onlineaffine jüngere Zielgruppe, sondern an alle, die Spass daran haben, wenn eine Marke auf diese Art und Weise kommuniziert.

Läuft man nicht Gefahr, Leute über 30 nicht zu erreichen?
Das ist eben Schubladendenken. Welcher 50-Jährige würde behaupten wollen, dass ihm das keine Freude bereitet? Im Netz gibt es zahlreiche Leute, die schreiben, sie seien 50+ und fänden das «supergeil». Und warum die jungen, urbanen Hipster sich einbilden würden, zu glauben, dass Menschen im Alter 50+ nichts mehr raffen würden...

Wieso genau badet Friedrich Liechstenstein in Milch?
Weil nur Friedrich Liechtenstein in Milch baden kann und dabei gut aussieht. Aber natürlich badet er nicht in Milch, sondern in eingefärbtem Wasser.

Erstellt: 05.03.2014, 13:51 Uhr

Supergeil-Clip

Über fünf Millionen Mal ist der Videoclip «Supergeil» der bis anhin als bieder geltenden Supermarktkette Edeka auf Youtube abgerufen worden. Ein Herr, Mitte 50, singt mit tiefer Stimme – und erklärt, dass er alles «supergeil» findet. Für das dreiminütige Video, das bewusst als Viralmarketing fürs Internet konzipiert worden ist, engagierte die Supermarktkette die Werbeagentur Jung von Matt, die den Clip zusammen mit dem Berliner Künstler Friedrich Liechtenstein umsetzte. Der Clip basiert auf dem Video «Der Tourist feat. Friedrich Liechtenstein – Supergeil». Inzwischen hat Liechtenstein, der sich selber als «Flaneur, Schmuckeremit und professioneller Lebenskünstler» sieht, in Berlin Kultstatus erreicht.

Der Original-«Supergeil»-Song

Interviewpartnerin

Katja Weber ist Pressesprecherin von Jung von Matt.

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