«Natalie Rickli wollte sogar Bilder von mir»

Keiner kam den Politikern und ihren Anhängern im eidgenössischen Wahlkampf so nah wie der Fotograf Kostas Maros.

Rot-weiss: SVP-Anhänger am 30. Juli im Hauptbahnhof Zürich. Foto: Kostas Maros

Rot-weiss: SVP-Anhänger am 30. Juli im Hauptbahnhof Zürich. Foto: Kostas Maros

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Sie haben für die Bildreportage «Glaube, Liebe, Hoffnung» Wahlveranstaltungen besucht. Wie haben Sie sich darauf vorbereitet?
Ich muss vorausschicken, dass es mich sehr gefreut hat, als mich Philipp Loser (Inland-Redaktor des «Tages-Anzeigers», Anmerkung der Redaktion) anrief. Es reizte mich sofort. Philipp hat die Wahlveranstaltungen ausgelesen und ich bereitete mich insoweit vor, dass ich die Location googlete und schaute, wer vor Ort ist, wer unbedingt aufs Bild muss.

Wie haben Sie mit Philipp Loser, der die Texte schrieb, zusammengearbeitet?
Wir fuhren meistens zusammen hin, er gab mir seinen Input weiter, sagte mir, wen er gern auf dem Bild hätte. Vor Ort waren wir dann getrennt unterwegs, trafen uns aber immer wieder kurz und tauschten uns aus.

Mit welcher Ausrüstung waren Sie unterwegs?
Mit einer minimalen Reportage-Ausrüstung. Ich hatte zwei Kamera-Bodys: Eine Canon 5D und eine Leica M. Dazu drei Objektive. Ein 50 mm, ich arbeite gerne mit festen Brennweiten, dann musst du dich ein bisschen mehr bewegen, und ein 35 mm. Zur Sicherheit hatte ich noch ein 24–70-mm-Zoomobjektiv dabei. Und für Notfälle, falls es extrem dunkel wäre an einem Ort, einen Handblitz in der Tasche. Mit dieser Ausrüstung kann ich sicher alles abdecken, ich weiss, dass ich auf der sicheren Seite bin.

Wie gingen Sie vor Ort vor?
Ich schaue, wo sich interessante Sujets ergeben könnten, beobachte erstmals die Teilnehmer. Mich interessierten nicht die klassischen Sujets, also beispielsweise die Podiumsgespräche. Spannend ist für mich zum Beispiel der Gesichtsausdruck eines Toni Brunners, wenn er im Publikum einem SVP-Kollegen zuhört. Mein Vorgehen ist ziemlich intuitiv, das läuft eigentlich alles automatisch ab. Ich gehe auf die Leute zu, zeige ihnen, falls gewünscht, auch die Bilder, die ich von ihnen geschossen habe. Ab und zu ergeben sich Gespräche mit den fotografierten Personen. Aber die Politiker sind es sich ja gewohnt, fotografiert zu werden. Ich gab niemandem Anweisungen, sagte also nicht, wie sie sich hinstellen sollen, es war purer Reportagen-Stil.

Wie reagierten die Besucher der Veranstaltungen?
Das ist sehr gut gelaufen, ich stellte mich je nach Situation vor, sagte, aus welchem Grund ich sie fotografieren will. Zum Beispiel das traditionell angezogene Paar am SVP-Anlass am Tisch, die hatten Freude, fanden das super. Ich hatte an keiner Veranstaltung eine ablehnende Haltung festgestellt. Natalie Rickli wollte nachträglich sogar Bilder von mir, ich verkaufte ihr zwei.

Sind Ihre Bilder wertend, oder versuchen Sie, als Fotograf neutral zu bleiben?
Ich versuchte, nicht wertend zu fotografieren. Ich glaube jedoch, in jedes Foto fliesst auch etwas vom Fotografen ein; das heisst, wenn du eine Sympathie hast für jemanden, wird man das auf dem Bild vielleicht eher sehen. Ich bin politisch nicht aktiv, würde mich aber eher in der linken Ecke ansiedeln. Mir ist es aber wichtig, alle gleich zu behandeln.

Was für einen Eindruck hatten Sie von diesen Wahlveranstaltungen?
Der Wahlzirkus ist spannend, sehr spannend. Du merkst, dass dieser Wahlkampf nicht ganz ausgeglichen abläuft, du hast auf einer Seite Parteien mit sehr vielen Mitteln. Das sah man ja beispielsweise, als die SVP die Titelseite von «20 Minuten» kaufte. Oder da ist dieser ganz amerikanisierte Anlass der FDP, wie eine riesige Roadshow aufgezogen. Gleichzeitig siehst du die Grünen auf der Strasse, mit ihren Plakaten an den Velos und den Zetteln, mit denen sie auf Passanten losgehen. Da wird mit anderen Mitteln gekämpft.

Gab es Unterschiede zwischen den Politikern und den Besuchern?
Die sind gar nicht so unterschiedlich, diese zwei Gruppierungen, die sind sich recht ähnlich. Generell wurden die Wahlveranstaltungen, die wir besuchten, ja von Anhängern der jeweiligen Partei besucht, die politisch auf der gleichen Linie sind. Für mich als Fotograf ist es wichtig, beide Seiten, also die Politiker und ihre Anhänger, würdevoll zu fotografieren. Ich versuche natürlich, eine gewisse Realität aus den Bildern herauszuholen, ich will aber niemanden blossstellen mit meiner Arbeit.



(Tagesanzeiger.ch/Newsnet)

Erstellt: 07.10.2015, 12:33 Uhr

Der 35-jährige Schweizer Fotograf Kostas Maros fand Ende 2011 zur Fotografie, als er seine Tätigkeit als Jurist beendete. Nach einer einjährigen Weltreise quer durch Asien und Osteuropa begann er im Jahr 2013 als Presse- und freier Fotograf zu arbeiten. Er lebt in Basel und arbeitet in der Schweiz und im Ausland. (Bild: Nicole Pont)

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