«Neon» leuchtet nur noch online

In seinen besten Zeiten bot das Heft einer Generation junger Leser eine publizistische Heimat. Aber sein Ende war schon lange abzusehen.

Feedback

Tragen Sie mit Hinweisen zu diesem Artikel bei oder melden Sie uns Fehler.

Die gute Nachricht in der schlechten: «Neon» lebt weiter.

So wollen sie das jedenfalls verstanden wissen bei Gruner + Jahr. «‹Neon› erscheint ab Sommer nur noch digital», heisst es auf der Homepage des Stern, zu dessen «Markenfamilie» «Neon» gehört, wie das die Verlagsmanager nennen. Die gedruckte Ausgabe von «Neon» allerdings wird am 18. Juni zum letzten Mal erscheinen.

Es ist ein Ende, das schon lange abzusehen gewesen ist. Zu Hochzeiten verkaufte das 2003 in München gegründete Magazin jeden Monat 237 000 Hefte; zuletzt waren es gerade mal noch 58 000. Auch Chefredakteurin Ruth Fend macht in ihrem Abschiedsbrief auf stern.de den Leserschwund für die Entscheidung verantwortlich: «Ihr seid zu wenige geworden», schreibt sie an ihre Leser. Die heute 20-Jährigen hätten neue Lebensbegleiter gefunden, auch im Netz, schreibt Fend; gemeint sein dürfte: vor allem im Netz.

Der digitale Wandel wird aber nicht die einzige Disruption sein, die «Neon» in den vergangenen Jahren zugesetzt hat. Als der Verlag 2013 entschied, das Heft samt Redaktion in die Zentrale zu verpflanzen, war das ein bisschen so, als müsste der wilde Nachwuchs aus der Münchner WG zu Mutti in die Einliegerwohnung ziehen. Ganz hat sich «Neon» davon nie erholt. Ein Gutteil der Redakteure - ganz Vertreter ihrer dafür oft gescholtenen Generation - gab damals Life den Vorzug gegenüber Work und blieb in München; in Hamburg folgten diverse Personal- und strategische Entscheidungen, mit denen man nicht nur in der Redaktion nicht immer glücklich war. Dominik Wichmann, der zur Zeit des Umzugs Chefredakteur des Stern war, schreibt bei Twitter, die Einstellung von «Neon» habe nichts mit dem Zeitgeist zu tun, sondern sei «eine Folge von jahrelangem verlegerischen Missmanagement«. Beim Verlag spielt man den Einfluss des Umzugs herunter, der Abwärtstrend habe schon vor dem Umzug eingesetzt. Die Wahrheit dürfte irgendwo dazwischen liegen.

Wahr ist aber auch, dass das oft als «Studentenbravo» verspottete Magazin in seinen besten Zeiten einer Generation junger Leser - aber auch Autoren, Illustratoren, Grafikern und Fotografen - eine publizistische Heimat gab, an die sich am Mittwoch im Netz viele mit nostalgischen Gefühlen zurückerinnerten. Dabei soll es ja offiziell noch weitergehen mit «Neon». Der Verlag bemühe sich zudem, die 20 «Neon»-Mitarbeiter anderswo im Haus weiterzubeschäftigen, heisst es. Das Schwesterheft Nido soll unverändert alle zwei Monate erscheinen.

(Süddeutsche Zeitung)

Erstellt: 19.04.2018, 15:12 Uhr

Artikel zum Thema

Die «Republik» ist online

Video Das neue Online-Magazin schreibt in seiner ersten Ausgabe über Mark Zuckerberg, die Tamil Tigers und Angela Merkel. Mehr...

Die Redaktion auf Twitter

Stets informiert und aktuell. Folgen Sie uns auf dem Kurznachrichtendienst.

Service

Ihre Spasskarte

Mit Ihrer Carte Blanche von diversen Vergünstigungen profitieren.

Blogs

Welttheater Hallo, schöne Frau …

Geldblog So nutzen Anleger den Wettbewerb

Die Welt in Bildern

Pfingstausflug: Der Velofahrer ist noch am Steissen, da sind die Motorräder schon längst parkiert. Rund 200 Biker sind zum Waadtländer Pass Col des Mosses hochgefahren. (21. Mai 2018
(Bild: Valentin Flauraud) Mehr...