Lässige Sünden

Nur schon diese Farbe!

In unserer Serie «Lässige Sünden» beichten Tagesanzeiger.ch/Newsnet-Journalisten Kultursünden. Heute: Rosé-Weine.

Gilt bei den Weinsnobs als Todsünde: Rosé.

Gilt bei den Weinsnobs als Todsünde: Rosé.

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Zwei Dinge erwähne ich im Kreise von Weinkennern nie: dass ich erstens keinen Bordeaux mag. Und zweitens ein Liebhaber von Roséweinen bin. Dieses Mittelding zwischen Rot- und Weisswein (nein, es wird in den meisten Fällen nicht gemischt!) gilt bei den Weinsnobs als Todsünde.

Dies liegt nicht zuletzt daran, dass viele Abfüllungen nach der sogenannten Saignant-Methode produziert werden: Verwendet wird derjenige Saft, der nach kurzer Maischestandzeit aus dem Roten abgezogen wird, um ihn konzentrierter zu machen. Etwas verkürzt wird darum behauptet, der «Pinke» sei ein Abfallprodukt.

Aber eines, das man keinesfalls fortkippen sollte. Nur schon diese Farbe! Und im Idealfall verbindet sich bei einem Rosé eine fruchtige Nase, die fast kitschig an Erd- und Himbeeren erinnert, mit einem süffigen Mundgefühl, bei dem würzig grüne Noten wie Rosmarin mitschwingen. Die Säure klingt perfekterweise lange nach. Ein Getränk, das sich als sommerlicher Apérowein (ich finde den Begriff positiv, liebe Weinfreunde) ebenso geniessen lässt wie als Begleiter von verschiedensten Speisen.

Ein Wein, der sogar mit Tomaten fertig wird

Ich muss noch ein wenig weiter ausholen: Bekanntlich werden die deutschen und österreichischen Weinbaubetriebe nicht müde, zu behaupten, dass Riesling oder Grüner Veltliner erste Wahl seien, wenn Asiatisches (Schärfe! Süsse! Koriander!) auf dem Tisch steht. Doch mehrere vergnügliche Selbstversuche haben gezeigt: Es ist Rosé! Der kann sogar mit Gemüse wie Zucchetti oder Tomaten. Es ist nämlich kein Zufall, dass halb Frankreich, wenn es in die Pizzeria geht, rosafarbene Weine trinkt. Notabene, jede vierte im Hexagon verkaufte Flasche ist ein Rosé …

Aber eben, die Kenner schwärmen lieber von burgundischen Chardonnays, die sich die meisten eh nicht leisten können. Oder von weltberühmten und ebenso teuren Cuvées aus dem Bordeaux, die man in aller Regel in den ersten paar Jahren nach ihrer Abfüllung nicht geniessen kann. Als ob Lagerpotenzial ein Kriterium für möglichst grossen Trinkgenuss ist. Und doch soll hier noch erwähnt sein, dass gute Roséweine auch keinen Schaden nehmen, wenn sie mal länger liegen als nur einen Sommer. Gut so, denn man kann das Zeug nämlich auch in anderen Jahreszeiten trinken.

Erstellt: 27.05.2014, 16:23 Uhr

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