Politik my ass

Kim Kardashian und Nicki Minaj sind berühmt für ihre prächtigen Hintern und ihren schlechten Geschmack. Was hat das kulturtheoretisch zu bedeuten?

Feedback

Tragen Sie mit Hinweisen zu diesem Artikel bei oder melden Sie uns Fehler.

Feminismus ist nicht mehr besonders en vogue. Angesichts der fetten Schlagzeilen, welche die zwei zurzeit berühmtesten Trägerinnen dicker Hinterteile diese Woche machten, könnte man sogar sagen: Er ist am Arsch.

Da wäre zum Beispiel Kim Kardashian, berühmt für den exorbitanten Umfang ihres Hinterteils, beziehungsweise ihre Fähigkeit, selbigen zu monetarisieren. Diese Woche prangte es nun auf der Titelseite des «Paper»-Magazins, darunter die Schlagzeile: «Kim Kardashian – Break the Internet.» Dass sie das Internet mit ihrem Allerwertesten geknackt hat, trifft tatsächlich zu – und das gleich mehrfach. Zunächst wurde ihr Cover-Foto sofort zum Internet-Meme – zahlreiche User veröffentlichten eigene Interpretationen des wirklich beeindruckenden Hinterns. Doch Kardashian hat das Internet auch auf andere Art geknackt. Diese Woche wurde bekannt, dass sie mit ihrem Handyspiel «Kim Kardashian: Hollywood» allein im dritten Jahresquartal 43,4 Millionen Dollar verdient hat. Schön für sie.

Nazi-Ästhetik

Weniger schön waren die Nachrichten über Nicki Minaj, deren Hinterteil ebenfalls im Zentrum ihres Erfolges steht. Die Rapperin veröffentlichte diese Woche einen skandalösen Videoclip zu ihrer neuen Single «Only». Er zeigt sie als Weltherrscherin inmitten naziartiger Symbolik, dazu rappt sie: «I got big titties and a big butt too», links und rechts flattern überdimensionale rote Banner, während Soldaten mit Armbinden, Panzer und Fliegerbomben vorbeidefilieren. Die Fans reagierten schockiert, weshalb sich die Sängerin inzwischen entschuldigt hat. Sie würde «nationalsozialistisches Gedankengut niemals in ihrer Kunst billigen». Doch ihre Botschaft ist klar: Ich denke mit dem Hinterteil und sage drum: Politik my Ass.

Wie muss man die beiden Ereignisse interpretieren? Kulturpessimistisch könnte man das Scheitern des Feminismus beklagen, wenn die erfolgreichsten Frauen im Popbusiness sich selber auf den Körper reduzieren. Man kann aber auch postmodern sagen, Kunst ist das, was als Kunst bezeichnet, konsumiert und gekauft wird. Michael Jackson war King of Pop, Minaj ist Führerin of Popkultur.

Nicht zuletzt können wir das Ganze auch als Metapher für folgende Weisheit deuten: Solange die Welt von Ärschen regiert wird, selbst wenn sie hübsch anzuschauen sind, können wir uns Feminismus sonst wohin stecken. (Tages-Anzeiger)

Erstellt: 13.11.2014, 18:00 Uhr

Artikel zum Thema

Von welchem Star stammt wohl dieses Kunstwerk?

Stars & Styles Heute auf dem Boulevard: +++ Britney Spears ist jetzt auf Tinder +++ Ist Katy Perry Taylor Swifts Feindin? +++ Kim Kardashian wird endlich nass Mehr...

Prinz William bringt Kate Moss zum Grinsen

Bildstrecke Stars & Styles Heute auf dem Boulevard: +++ Heidi Klum und die guten alten Zeiten +++ Kardashian posiert +++ Lindsay Lohan stellt sich den ganz grossen Fragen +++ Mehr...

Die Redaktion auf Twitter

Stets informiert und aktuell. Folgen Sie uns auf dem Kurznachrichtendienst.

Abo

Abo Digital Light - 18 CHF im Monat

Unbeschränkter Zugang auf alle Inhalte und Services (ohne ePaper). Flexibel und jederzeit kündbar.
Jetzt abonnieren!

Kommentare

Die Welt in Bildern

Heftiges Wortgefecht: Ein palästinensischer Mann und ein israelischer Soldat geraten aneinander wegen der israelischen Order, eine Schule bei Nablus zu schliessen. (15. Oktober 2018)
(Bild: Mohamad Torokman) Mehr...