Pulte und Pannen

In unserer Serie «Lässige Sünden» beichten Tagesanzeiger.ch/Newsnet-Journalisten heimliche Vorlieben. Heute: Elternabende.

Spannender als jeder Krimi: Welches Kind gehört zu welchen Eltern?

Spannender als jeder Krimi: Welches Kind gehört zu welchen Eltern? Bild: Keystone

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Flattert eine Einladung zu einem Schulanlass ins Haus, beginnt für Mütter und Väter jeweils das Training im Augenverdrehen. Man muss bereit sein für den grossen Auftritt in der Schule, wo man sich dann trifft, eben möglichst gekonnt die Augen verdreht und sagt: «Man muss halt ...»

Aber nein: Ich will! Ich liebe Elternabende, und noch mehr liebe ich Schulbazars, Theateraufführungen, Besuchsmorgen und Weihnachtssingen, letzteres selbst bei 15 Grad unter null. Nicht, weil ich unbedingt noch einen selbstgebastelten Kerzenständer brauchen würde (obwohl ich auch den neuen selbstverständlich wieder kaufe); auch den Lehrplan brauche ich nicht unbedingt vorgelesen erhalten. Aber nirgends erfahre ich mehr über das Wesen von Eltern und Kindern und die Gesellschaft im Allgemeinen wie an Schulanlässen.

Nur schon herauszufinden, welches Kind zu welchen Eltern gehört, ist spannender als jeder Krimi. Und wo redet man sonst mit so vielen Leuten aus allen möglichen Ländern und Berufen? Nirgends, genau. Über das weitverbreitete Vorurteil, dass sich mit der Geburt von Kindern der Horizont verenge, kann man da nur lachen.

Pralinés und Erkenntnisse

Auch sonst lacht man ziemlich viel an solchen Anlässen. Offen und herzlich über die schräge Fantasie der Kinder und all die Pannen, die an so einem Anlass nun mal dazugehören. Und hinterher über all das, was man sonst noch so gesehen hat: Wie die Mutter von X ihren Sohn jedes Mal gekämmt hat, wenn er in ihre Nähe kam! Wie der Vater von Y die Fama sämtlicher Schulhäuser der Stadt herunterratterte, aufgeschlüsselt nach Erfolgsquoten, sozialem Engagement und der Anzahl an Sonderprojekten! Und wie sich Herr und Frau Z, nachdem sie heftiger als alle anderen die Augen verdreht hatten, auf die selbstgemachten Pralinés gestürzt haben!

Ernsthafte Erkenntnisse gibts übrigens auch noch. Vor allem darüber, wie das eigene Kind sich in einer anderen Umgebung verhält, wie die Lehrerinnen und die Gspänli ihm begegnen, kurz: Wie es ihm geht in der Schule, wo es ja doch einen beträchtlichen Teil seines Lebens verbringt. Wenn es keine Schulanlässe gäbe, müsste man sie allein deswegen sofort erfinden.

Erstellt: 31.03.2015, 14:05 Uhr

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