Sags doch per Emoji

Güzin Kar wundert sich über die neuen Möglichkeiten der digitalen Kommunikation.

Unsere Kolumnistin Güzin Kar.

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Es gibt erwachsene Menschen, die per Emojis kommunizieren. Das sind jene vorgefertigten comicartigen Figürchen in Form von Herzen, Tieren und Kussmündern, die man am Ende, in der Mitte oder sogar anstelle einer geschriebenen elektronischen Nachricht versenden kann. Man schreibt also nicht «Ich mag dich sehr», sondern schickt zwanzig bunte Herzen. Und anstelle von «Gute Nacht, träum was Wildes» kommt jenes breite, braune Tier an, das mit geschlossenen Augen im Bett liegt und das aussieht wie ein dickes Eichhörnchen oder ein überfahrener Fuchs.

Das Tier gibt es auch in der animierten Version, wo es im Bett herumschnuffelt. Animierte Emojis sind noch furchterregender als die stillen, da sie manchmal auch unerwartete Dinge tun wie losschreien oder explodieren. Wo man früher getextet hätte: «Hast du Lust auf einen Drink?», nippt heute ein Hase an einem Cocktailglas, um sich im nächsten Moment in eine Tischbombe zu verwandeln.

Und dann wundern sich alle, weshalb der westliche Mensch immer weniger Sex hat. Man nimmt doch nichts mit nach Hause, das solche Tiere verschickt. Womöglich schnuffelt der im Bett genauso herum wie das fette Eichhörnchen, anstatt etwas Brauchbares zu tun. Die deutsche «Bild»-Zeitung behauptet allerdings: «Emoji-Nutzer haben mehr Sex als Buchstabentipper.» Der Befund überrascht wenig, da es Gründe gibt, weshalb die Zeitung nicht «Text» heisst.

Ninja-Kämpferinnen bei jeder Gelegenheit

Am merkwürdigsten aber sind jene Mischformen aus Text und Emoji, die sich dann etwa so lesen: «Bin traurig (hier ein Emoji, das eine fallende Träne darstellt), mein Onkel Torben (ein sitzender Panda) ist gestern gestorben (ein fröhlich-bunter Sarg mit Flügeln), während ich beim Shrink sass (ein nickender Sigmund).»

Was schreibt, malt oder tanzt man auf solch eine Nachricht zurück? Ich schicke immer einen zigarrenrauchenden Kater, weil ich nur diesen auf dem Handy habe. Ich hatte auch einmal eine Auswahl an Ninja-Kämpferinnen, aus Versehen, denn ich wollte Emojis von weiteren netten Haustieren kaufen, da ich diese für brauchbar hielt, hab mich aber vertan, sodass ich die schwarzmaskierten Frauen bekam. Die schickte ich zu jeder Gelegenheit. Lud mich jemand per Emoji zum Apéro ein, kriegte er die schreiende Ninja. Fragte mich jemand, ob ich auch zur Filmpremiere ginge, schickte ich ihm die Dame mit den vier Schwertern. Ich glaube, ich machte damals eine schwierige elektronische Phase durch, aber was sollte ich tun, ich hatte das Zeug für 4.90 gekauft, es musste sich rentieren, und wenn es durch mutwilliges Zerstören von Freundschaften war.

Bauarbeitende Gorillas

Wussten Sie übrigens, dass Gorillas die Lautsprache nicht erlernen können, egal, auf welche Weise man sie ihnen beizubringen versucht? Ist mir gerade so eingefallen. Aber ich bin sicher, dass man sie das Kommunizieren per Emoji lehren könnte. Man müsste die Bildchen etwas bedürfnisgerechter gestalten und fliegende Bananen und winkendes Urwaldgestrüpp designen. Beim nächsten Zoobesuch würde man einen netten Kitaro, Brutus, Bonanza, oder wie Gorillas gemeinhin so heissen, kennenlernen und mit ihm Nachrichten austauschen. Man würde Brutus den Tischbombenhasen schicken, und Brutus würde antworten: «Hey, sorry, muss arbeiten» (das hätte er als Textbaustein) und dazu ein Emoji mit einem bauarbeitenden Gorilla setzen. Vielleicht wüsste Brutus sogar, wie man die Ninja-Kämpferinnen richtig in eine Konversation einbaut. Ich habe sie inzwischen gelöscht.

Güzin Kar ist Drehbuchautorin und Filmregisseurin. www.guzin.ch

Erstellt: 20.03.2015, 15:32 Uhr

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