Vertrauen ist gut, Kontrolle ist...?

Francine Jordi hat heimlich Florian Asts Betrugs-SMS gelesen und jetzt ist die Beziehung vorbei. Sie sind der Vertrauensfrage zum Opfer gefallen – dem Knackpunkt jeder Beziehung.

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Florian Ast ist momentan der wohl am meisten verachtete Prominente der Schweiz. Er hat Schlager-Schätzchen Francine Jordi hintergangen und betrogen. In den USA. Mit einer anderen Frau. Das berichtet heute der «Blick»: «Ich habe die Beziehung sofort beendet», wird Francine Jordi zitiert.

Klar, dass nun alle auf ihrer Seite sind. Sie ist die Betrogene, er der Arsch. Sie opferte extra für ihn ihre Ehe mit Tony Rominger, er nahm sich nach knapp einem Jahr mal rasch eine andere. Aus heiterem Himmel. Denn noch vor seiner Abreise in die USA hätten sie eine wunderschöne Zeit zusammen verbracht, sagte Jordi zum «Blick»: «Mir ist es unerklärlich, wie er in so kurzer Zeit eine Affäre beginnen konnte.» Klar, das geht gar nicht. Aber was ist mit Francine Jordis zweifelhafter Methode, mit der sie zur folgenschweren Information gekommen ist? Immerhin hat sie nur deswegen von Asts Seitensprung erfahren, weil sie des Nachts seine SMS gelesen hat. Heimlich. Geht das?

Soll ich oder soll ich nicht?

Alle, die schon mal via Mail oder SMS von der Untreue ihres Partners erfahren haben, werden überzeugt nicken. Der Zweck heiligt schliesslich die Mittel. Der Vertrauensbruch des Seitensprungs wiegt ja weitaus schwerer als der Vertrauensbruch wegen Verletzung der Privatsphäre. Sie mag nicht ganz ethisch gehandelt haben, aber er noch viel weniger. Oder? So klar ist der Fall meist nicht, wie Diskussionen zum Thema oft zeigen:

«In einer funktionierenden Beziehung gibt es keinen Grund, die SMS des Partners zu lesen», wird die Privatsphären-Fraktion poltern und die Betrogenen-Fraktion wird antworten: «Sie hatte ein komisches Gefühl, sie hatte das Recht dazu!» – «Das ist doch kein Grund! Sie hätte ihn auch fragen können, statt bei ihm herumzuschnüffeln.» – «Der hätte das doch abgestritten. Hätte sie es nicht getan, wäre die Wahrheit nie ans Licht gekommen.» – «Na und? Es war doch bloss ein anonymer, unbedeutender Seitensprung in den USA, weit weg von zu Hause.» – «Das spielt doch keine Rolle! Er hat sie angelogen. Er war zu feige, ihr die Wahrheit zu sagen. Es ist ein Vertrauensbruch.» – «Sie hätte nie davon erfahren, wenn sie seine SMS nicht gelesen hätte und sie würden glücklich weiterleben wie bisher.»

Es gibt keinen Beweis für Treue

Jeder hatte schon mal so ein Gefühl. Der Partner ist plötzlich sonderbar gut gelaunt. Eine neue Kollegin, ein neuer Joggingpartner? Bestimmt haben die etwas damit zu tun. Wird er mir untreu? Geht sie fremd? Und dann liegt da das Handy. Soll ich oder soll ich nicht? Nein, das tut man nicht. Ich muss vertrauen, das ist schliesslich die Idee einer Beziehung. Aber was, wenn da doch etwas läuft? Und was, wenn man nichts findet? Macht man weiter? Es ist ein Dilemma. Schliesslich gibt es keinen Negativbeweis für Untreue, nur den Positivbeweis. Kaum wird man in einer heimlich gelesenen SMS an eine andere Frau oder einen anderen Mann lesen: «Ich bin übrigens treu.»

Jeder hat schon mal auf das Handy des Partners geschielt. Nicht jeder hat es dabei belassen und es in die Hand genommen, angetrieben von einem diffusen Gefühl, einer quälenden Ungewissheit vor dem Ungewissen, und gleichzeitig gebremst vom schlechten Gewissen. Was, wenn man etwas findet? Das tut man meistens, wenn auch oft nicht das, wonach man gesucht hat: der Beweis für die eigene Unsicherheit oder der Beweis, dass der Partner flirtet. Weder das eine, noch das andere will man wissen, solange es die Beziehung nicht gefährdet. Das kennen wir doch auch. Hier ein neckischer Spruch, dort eine schäkernde Mail, ein Blick. Ohne Hintergedanken, ohne Gefahr für die Beziehung, alles halb so wild. Ständiges Herumschnüffeln dagegen dürfte die Beziehung auf Dauer stärker belasten als eine harmlose Flirterei.

Vielleicht ist es mit einem unbedeutenden Seitensprung dasselbe wie mit der Flirterei. Vielleicht ist Nichtwissen auch in diesem Fall einfacher, solange der Seitensprung nichts verändert hätte. «Es ist schwierig, einem Menschen zu glauben, wenn man weiss, dass man an seiner Stelle lügen würde», sagte einst der Schriftsteller, Journalist und Gesellschaftskritiker Henry Louis Mencken. Doch Francine Jordi wollte es wissen und hat es erfahren. Von seinem Handy. Sie hatte die Wahl zwischen Vertrauen oder Wahrheit. Nun muss auch sie die Konsequenzen tragen.

Wie halten Sie es mit der Vertrauensfrage in der Beziehung? Finden Sie es okay, die SMS oder Mails des Partners zu lesen? Sollte man alles über den Partner wissen oder sollten gewisse Dinge privat bleiben? Meinungen bitte unten eintragen. (Tagesanzeiger.ch/Newsnet)

Erstellt: 26.06.2012, 14:43 Uhr

Umfrage

Finden Sie es okay, die SMS oder Mails des Partners zu lesen?

Ja

 
22.3%

Nein

 
77.7%

440 Stimmen


Der Paartherapeut Marco Ferrari über die Risiken und Chancen von Beziehungen in der Öffentlichkeit. (Video: Keystone )

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