Warum?

Güzin Kar hat ein paar Fragen zu Frauen und Männern.

Unsere Kolumnistin Güzin Kar. Bild: Keystone

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Warum verwechseln viele den Kampf um Frauenrechte mit dem Muttertag? Warum finden viele Menschen die Frauendemos lächerlich, können aber trotzdem nicht gelassen darüber hinweg­lächeln? Weshalb werden Frauen, die sich in die Öffentlichkeit begeben, immer auch nach ihrem Aussehen beurteilt? Warum verdienen Frauen mit denselben beruflichen Qualifikationen immer noch im Durchschnitt weniger als Männer? Warum werden in schriftlichen Porträts von Männern, die etwas Herausragendes schaffen, deren Leistungen aufgezählt, bei den weiblichen Pendants deren Wesen ergründet?

Warum gelten Frauen, die gern und gut um Geld verhandeln, als unweiblich und egoistisch? Weshalb fällt in den allermeisten Gefügen wie Familie, Firma, Freundeskreis die Rolle der Sozialarbeiterin einer oder mehreren Frauen zu? Wie kommt es, dass die Urheberinnen grosser Errungenschaften eher vergessen gehen als ihre männlichen Kollegen? Warum wurde Margaret Hamilton, die Entwicklerin der Software für die Apollo-Raumfahrt, in Bildlegenden lange Zeit mit «Die Frau, die mithalf, die Software zu programmieren» bezeichnet? Wem half sie? Und halfen auch Albert Einstein, Max Planck, Sigmund Freud nur ein bisschen mit? Weshalb erscheint vielen Leuten das Sexualleben von Autorinnen interessanter als ihr Werk? Warum werden künstlerische Kühnheiten gefeiert, wenn sie von Männern begangen werden – aber als Zufall angesehen, sobald eine Frau die Urheberin ist? Warum erscheinen behinderte Frauen in der Literatur vornehmlich als Opfer und selten als sexuell aktive Individuen? Weshalb sind schwarze Frauen und Männer für Rassismus zuständig? Weshalb sind schwule Männer selten mitgemeint, wenn von Männern die Rede ist? Warum erscheinen Autoren und Filmer, die sich als lonely cowboys inszenieren, in den Augen ihres Publikums reizvoller als ihre Kollegen, die auch fürsorgliche Väter sind?

Warum fällt es vielen schwer, sich vorzustellen, dass beim Sex zwischen zwei Frauen nichts fehlt? Weshalb gelten schwarze Frauen als sexuell besonders ungezügelt? Wer hatte zu meiner Jugendzeit verfügt, dass für Mädchen die Kochschule obligatorisch war, für Jungen aber Physik? Wer trägt die Verantwortung dafür, dass Physikunterricht eine Voraussetzung war für den Gymnasiumsbesuch? Wer hat den Ausdruck Schlampe kreiert, und weshalb fiel ihm kein männliches Pendant ein? Warum gibt man einem Mann, der sexuell treu ist, das Gefühl, widernatürlich zu sein? Warum verspielen sexuell aktive Frauen ihren Anspruch auf Schutz durch die Gesellschaft? Warum gelten Männer, die sich lieber um Haus und Familie kümmern als um die Karriere, als unmännlich? Warum existieren überhaupt Begriffe wie unmännlich oder unweiblich? Warum sind Männer, die Pornos konsumieren, normal, aber Frauen, die in Pornos spielen, anrüchig?

Weshalb gelten Frauen, die ihre Anliegen nicht mit einem Lächeln vortragen, als herrschsüchtig? Weshalb gelten Männer, die ihre Anliegen mit einem Lächeln vortragen, als unentschlossen? Warum werden Menschen, die sich weder als Frau noch als Mann oder als beides gleichzeitig wahrnehmen, verhöhnt und angegriffen? Warum sind Personen mit beweglicher geschlechtlicher Identität eine Gefahr, und wen bedrohen sie? Weshalb wird von Feministinnen mehr moralische Integrität erwartet als von erklärten Nicht­feministen? Weshalb werden Väterrechte als Freiwilligenprogramm einer Gesellschaft angesehen? Warum schenken wir einer Frau gern Blumen, einem Mann lieber Alkohol? Wann können wir diese Fragen vergessen?

Güzin Kar ist Drehbuchautorin und Filmregisseurin. www.guzin.ch (Tages-Anzeiger)

Erstellt: 10.03.2017, 12:18 Uhr

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